Havanna/Berlin - Bisher galt Mallorca wegen der vielen Touristen aus der Bundesrepublik als 17. deutsches Bundesland. Doch schon bald könnte eine Insel in der Karibik zu Recht diese Bezeichnung tragen: Regierungschef Fidel Castro hatte ein 24 Kilometer langes, unbewohntes Eiland vor der Südküste Kubas vor 29 Jahren der DDR geschenkt. Nach der Wende wurde die Gabe des sozialistischen Bruderstaats vergessen, bis ein Internetdienst über diese Schenkung berichtete. Die Insel, zweieinhalb Bootsstunden von der seit der USA- Kuba-Krise 1962 berühmten Schweinebucht entfernt, gehört zu einer Inselgruppe, die vorher "Cayos Blancos del Sur" (Weiße Inseln des Südens) genannt wurde. Am 5. Juni 1972 wurde per Erlass in Havanna die Schenkung an die DDR und die Umbenennung in "Isla Ernesto Thälmann" verfügt. Ernst Thälmann (1886 in Hamburg geboren, 1944 im KZ erschossen) war von den späten 20er- Jahren bis zur Machtübernahme Hitlers Chef der Kommunistischen Partei Deutsch- lands (KPD). Die nach dem Weltkrieg entstandene DDR huldigte seinem Ansehen als Verkörperung des kommunistischen Widerstands. "DDR-Strand" Der schönste weiße Strand der "Thälmann-Insel" wurde von den Kubanern "DDR- Strand" getauft. Das einzige Bauwerk auf der Insel, zu der hin und wieder Fischer Touristen für einen Tagesausflug übersetzen, ist eine riesige Thälmann-Büste. Am 19. August 1972 wurde die Trauminsel offiziell übergeben. Der damalige Botschafter der DDR in Kuba, Joachim Naumann, bestätigt diesen Akt. Seiner Einschätzung nach, die auch von Juristen geteilt wird, gehört die Insel der Bundesrepublik, da alles, was im Besitz der DDR war, nach der Wiedervereinigung 1990 auf den Nachfolgestaat übergegangen ist. In der kubanischen Botschaft in Berlin heißt es lediglich, diese Angelegenheit werde noch geprüft. Derzeit wird nach den Akten gesucht. Das Auswärtige Amt in Berlin gibt sich zurückhaltend: Man gehe davon aus, dass es sich um einen "rein symbolischen Akt" der Schenkung gehandelt habe, ohne Rechtsansprüche. Aber auch hier wird noch geprüft. Die Insel wäre diese Woche beim Besuch des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, auf Kuba ein Thema gewesen. Volmer wurde aber kurzfristig von Havanna ausgeladen: nicht wegen eines möglichen Streits um das Eiland, sondern weil der Grünen-Politiker die Menschenrechtslage auf Kuba ansprechen wollte. "Ballermann 17" Nun überlegt eine Bundestagsdelegation eine Reise zur Insel. Die CDU-Abgeordnete Vera Lengsfeld beteiligte sich auch an dem von der Boulevardzeitung Bild initiierten Wettbewerb: "Wie soll sie heißen? Unser 17. Bundesland in der Karibik." Denn nach einem Kommunisten soll die Insel nicht länger benannt sein, wenn sie denn in deutschem Besitz ist. Langsfelds Vorschlag: "Insel der Einheit." Viele der Vorschläge, die bei Bild bisher eintrudelten, zeugen davon, dass sich die Deutschen von ihrem bisherigen 17. Bundesland und dessen berüchtigten Leistungstrinkerzentrum "Ballermann 6" ungerne trennen: In Anspielung auf Mallorca und den beliebtesten Strand der Deutschen dort trafen Anregungen wie "Neullorca" oder "Ballermann 17" ein.