Palo Alto - Die Sand Hill Road im kalifornischen Menlo Park ist Venture-Capital (VC) pur. Hier konzentrieren sich die größten und bekanntesten US-Firmen im Geschäft mit dem Wagniskapital. Mittendrin sitzt der US-Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) - in Form einer VC-Firma.

Vor zwei Jahren begann die CIA an der Sand Hill Road 2440 die Jagd - jedoch nicht nach Spionen, sondern nach Hightech-Start-ups. In-Q-Tel nennt sich das Unternehmen, das vor allem in junge Unternehmen investiert, die an Technologien basteln, welche auch der CIA von Nutzen sein könnten.

Die Niederlassung in Silicon Valley führte wegen der Natur des Eigentümers anfänglich zu Stirnrunzeln unter den Risikokapitalgebern. Doch In-Q-Tel, das im ersten Jahr 28,5 Millionen Dollar (428 Mio. S/31 Mio. EURO) und im zweiten Jahr 34 Mio. Dollar an Steuergeldern zur Verfügung hatte, versucht die Bedenken zu zerstreuen.

So sei In-Q-Tel unabhängig von der CIA-Zentrale in Langley. Keines der Produkte, die das Unternehmen fördere, sei ausschließlich der CIA zugänglich oder "top secret", betont Gilman Louie, der CEO von In-Q-Tel. Die CIA habe aber das exklusive Recht, die Produkte als Erster zu testen.

Start-ups zeigten wenig Scheu

Die Start-ups zeigten jedenfalls wenig Scheu. Mehrere Hundert rannten In-Q-Tel bereits in den ersten Monaten die Türen ein. Darunter auch Mediaspan.com, das sich zwei Millionen Dollar als Anfangskapital sicherte. Oder die Firma SAIC, die drei Millionen Dollar für die Entwicklung von Software erhielt, das Schnüffelprogrammen Dritter widersteht.

Während der CIA-Ableger in den vergangenen zwei Jahren kaum Schlagzeilen produzierte, spitzten die Advokaten zum Schutz der Privatsphäre die Ohren, als kürzlich dessen Investitionen in SafeWeb, ein kleines Unternehmen in Oakland, publik wurden.

SafeWeb offeriert über seine Website kostenlos eine Software, die die Bewegungen der User im Internet verschlüsselt. Dadurch sehen Schnüffler, welche die Internetaktivitäten von Surfern ausspionieren wollen, nur den Verkehr zwischen dem User und SafeWeb, nicht aber die tatsächlich angesurfte Adresse. Das Programm ist populär: Im vergangenen Monat wurde es über eine Million Mal herunter geladen.

Das Interesse der CIA richtet sich auch auf ein Programm namens "Triangle Boy", mit dem sich inkognito Informationen im Net sammeln lassen. SafeWeb entwickelte dieses Programm, um den Versuch zu erschweren, die SafeWeb-Website zu blockieren, was Saudi-Arabien im vergangenen November probierte.

Ein anderes Betätigungsfeld: Das Programm könnte der Kommunikation zwischen dem CIA-Hauptquartier und seinen Agenten dienlich sein und die Datenübertragung undercover ermöglichen. Der Triangle Boy kann auch eine "Cyber-Attacke" auf Server in anderen Ländern verschleiern. (Rita Neubauer, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 21. 2 . 2001) www.safeweb.com