Hohenems - 1983 wurde Hohenems zur Stadt erhoben. Jetzt soll die 14.000-Einwohner-Gemeinde auch urban werden. Die Urbanisierung der Altstadt mit ihrem weit über die Region hinaus bekannten Jüdischen Viertel beschäftigte ein Team österreichischer und Schweizer Architekten zwei Jahre lang. Am Montagabend präsentierte Marcel Meili, Architekt aus Zürich, im voll besetzten Pfarrsaal die städtebauliche Studie: "ein Versuch, Spielregeln für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre vorzuschlagen". Eine Modellausstellung zur Illustration der Architektenvorschläge zeigt deutlich, dass die kleine Rheintalstadt reich an architektonischen Kleinoden wäre. Nur befinden sich diese im "Latenz-Zustand" (Meili). "Große denkmalschützerische Sorgfalt" und "Geschick" vorausgesetzt, ließen sich, so Meili, die Hohenemser Wünsche - mehr Wohnraum, Geschäftsflächen und ein neues Rathaus im Altstadtkern - verwirklichen. An adrette Stilkulissen denkt keiner der Architekten. Hermann Czech (Wien) will das Jüdische Viertel mit seinen 22 denkmalgeschützten Gebäuden durch drei- bis viergeschoßige Gebäude ergänzen. Auf die traditionellen Giebel verzichtet er in seinem Vorschlag. "Warum sind sämtliche Neubauten als Würfel gedacht?", fragte sich da nicht nur Renate Madritsch vom Bundesdenkmalamt. Ein "bisschen wachküssen aus seinem Dornröschenschlaf" möchte das Architektenteam das Jüdische Viertel, es könnte zum kulturellen Zentrum der Stadt werden. Öffentlich genutzt werden sollten Synagoge und Schule. Beide Gebäude befinden sich im Besitz der Stadt, die aber an chronischem Geldmangel leidet. Keine Scheinidylle Aus der Synagoge, seit 56 Jahren Gerätehaus der Feuerwehr, möchte der ebenfalls aus Zürich stammende Architekt Peter Märkli ein festliches Einraumhaus machen. Von einer originalgetreuen Restaurierung rät er ab. Man sollte bei der Neugestaltung "Scheinidylle vermeiden", postulierte auch Johannes Inama, Leiter des Jüdischen Museums in Hohenems, "die Spuren der Nachnutzung dürfen nicht ausgelöscht werden". Auf wenig Gegenliebe stieß die Idee, den Platz vor der Synagoge zu verbauen (siehe Fotomontage, rechtes Gebäude). "Das war immer der Dorfplatz der Juden", dieser historische Aspekt dürfe nicht vergessen werden, merkte der frühere Hohenemser Kulturpolitiker und Historiker Arnulf Häfele (SP) an. Ob und wie die Altstadt letztlich umgestaltet wird, "das wird unsere Entscheidung sein müssen, und die wird nicht einfach", gab sich Bürgermeister Christian Niederstetter wenig enthusiastisch. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 2. 2001)