Jena - Kleinkinder können trotz des frühen Besuches einer Tagesstätte intensive Bindungen zu ihren Eltern entwickeln. Das hat die Jenaer Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert in mehreren vergleichenden Studien in Deutschland und den USA festgestellt. Mütter und Väter, die ihre Kleinen bereits zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr in eine Kindertagesstätte geben, seien demnach keine "Rabeneltern". Sie reagieren ebenso einfühlsam auf Bedürfnisse ihrer Sprösslinge wie Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Neue Herausforderungen Ahnert, die an der Friedrich-Schiller-Universität Jena lehrt, fand auch heraus, dass die Erzieherinnen von ihren Pflegekindern nicht als Ersatzmütter empfunden werden. Vielmehr stellten diese sozialen Erfahrungen außerhalb der Familie neue Herausforderungen zur Entwicklung an die Kinder. Einen deutlichen Unterschied zu "Familienkindern" stellte Ahnert dennoch fest: Kinder aus Tagesstätten seien nachmittags, wenn sie abgeholt werden, häufig unruhiger und quengeln. "Das liegt aber nicht etwa daran, dass sie schlecht behandelt worden wären, sondern sie haben gelernt, dass sie in dieser Situation sehr erfolgreich die Liebe und Aufmerksamkeit der Mutter für sich reklamieren dürfen", sagte Ahnert. Begonnen hatte die Psychologin ihre Studien bereits 1982 im Ost-Berliner "Institut für Hygiene des Kinder- und Jugendalters". Ihre Ergebnisse wurden durch ähnliche Studien in West-Berlin und in den USA weitgehend bestätigt. (APA/dpa)