Wien - "Die Bundeswertpapieraufsicht untersucht alle Auffälligkeiten im Wertpapiergeschäft, in Einzelfällen sind wir aber zur Verschwiegenheit verpflichtet", so die Antwort vom Chef der Wertpapieraufsicht (BWA), Thomas Goldmann, auf Anfragen, ob die BWA Ermittlungen über Aussagen zum voraussichtlichen AUA-Ergebnis 2000 aufgenommen habe. Goldmann bestätigte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch lediglich laufende Untersuchungen wegen einer möglichen Verletzung der Publizitätspflicht durch die AUA beim Erwerb einer Mehrheit an Lauda Air sowie in Sachen CyberTron, die beide in "etwa zwei Monaten" abgeschlossen sein könnten. Ende Jänner hatte ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel davon gesprochen, dass sowohl die AUA als auch die Lauda Air mit "katastrophalen operativen Ergebnissen" zu kämpfen hätten und sich nur durch Bilanzkorrekturen retten könnten. Der Zustand der AUA bereite ihm Schlafprobleme, so Heinzel. An der Börse verzeichnete die AUA-Aktie in der Folge deutliche Verluste. Die AUA selbst hat wiederholt ein positives Ergebnis für 2000 in Aussicht gestellt. Goldmann ließ die Interpretation offen, dass nur eine dieser beiden Angaben richtig sein könne. Die Bilanz der Fluggesellschaft, die Mitte April veröffentlicht wird, werde Klarheit darüber geben. Ob und welche Schritte die BWA ergreife oder ergriffen habe, ließ Goldmann offen. Fall Telekom In Sachen Telekom Austria, wo das Unternehmen bereits zwei Monate nach Börsegang eine Gewinnwarnung veröffentlichte, sieht Goldmann das Problem in einer fehlenden Prospektaufsicht in Österreich. "Wenn dabei ein Fehler passiert ist, dann in der Phase der Emission", sagte Goldmann, das falle nicht in die Zuständigkeit der BWA. Anleger, die sich geschädigt fühlen, könnten allenfalls den zivilrechtlichen Weg beschreiten. Eine absichtlich unrichtige Darstellung von Geschäftszahlen im Prospekt wäre aber in der Nähe von Betrug anzusiedeln. Die BWA hat im Jahr 2000 insgesamt 196 Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet und 134 solcher Strafen verhängt. Obwohl diese Strafen auf 300.000 S (21.800 Euro) begrenzt sind und im Durchschnitt nur wenige Tausend Schilling betragen, ist Goldmann von der abschreckenden Wirkung überzeugt: Vielfach seien Vorstände und Geschäftsführer betroffen, welche die Vorstrafe sowie das Bekanntwerden des Verstoßes gegenüber den Kunden oder der Öffentlichkeit weitaus mehr schade als der Geldbetrag. In vielen Fällen unterbleibe eine Berufung gegen einen BWA-Strafbescheid, weil dadurch das Verfahren endgültig öffentlich werde. (APA)