Washington/New York - "Bloch war ein solcher Tölpel", soll Robert Philip Hanssen an russische Geheimdienstagenten geschrieben haben. "Ich habe es beinahe gehasst, ihn zu schützen, aber er war euer Freund." Der unter Spionageverdacht verhaftete Hanssen spielt damit auf den in Wien geborenen US-Diplomaten Felix Bloch an: 1989 wurde die Existenz eines Videos publik gemacht, das den hochrangigen Diplomaten Bloch bei der Übergabe eines geheimnisvollen Aktenkoffers an einen angeblichen KGB-Agenten zeigt. Bloch wurde damals vom Dienst suspendiert und monatelang von einer Meute von Reportern und FBI-Agenten verfolgt. Eine Anklage erfolgte jedoch aus Mangel an Beweisen nie. Auf welche Art Hanssen Bloch genau "beschützte", ist unklar, laut Anklage soll er aber FBI-Untersuchungen gegen Bloch sabotiert haben. Bloch, der von 1980 bis 1987 an der US-Botschaft in Wien tätig gewesen war und den eine enge Freundschaft mit dem ehemaligen Außenminister Alois Mock verband, schien es großes Vergnügen zu bereiten, seinen Verfolgern die lange Nase zu zeigen - und für ein Exklusiv-Interview mit Korrespondent Robert Wiesner ausgerechnet im ORF-Büro in Washington aufzutauchen. Obwohl Bloch nie offiziell der Spionage angeklagt wurde, wurde er aus seinem Dienst im US-Außenministerium ohne jegliche Pensionsansprüche entlassen - erst 1998 versuchte er, diese Ansprüche einzuklagen. 1991 war er mit seiner Frau Lucille, die sich später von ihm trennte ("Ich kann nicht mit jemandem leben, dem ich nicht mehr trauen kann"), nach Chapel Hill in North Carolina gezogen, wo er als Buschauffeur und dann als Kassierer in einem Supermarkt arbeitete, von dem er jedoch wegen Ladendiebstahls gefeuert wurde. "Verdammt kompliziert" Der 1935 in Wien geborene Felix Bloch hatte 1939, ein Jahr nach dem Anschluss, mit seinen Eltern das Land verlassen müssen. Ein 1994 gestellter Antrag auf Wiedereinbürgerung in Österreich wurde zunächst abgelehnt (da dies von den USA als "Affront" bewertet werden könnte), das Verfahren wurde später aber wieder aufgerollt - da Bloch nie verurteilt worden war, schien seiner Einbürgerung rechtlich nichts im Wege zu stehen. Ob Bloch tatsächlich wieder österreichischer Staatsbürger wurde, ist derzeit nicht bekannt. "Bis man stirbt", hatte Bloch im Jahr 1992 gemeint, "ist das Leben eben verdammt kompliziert." (sdr/DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2001)