Peking - Chinas Führung hat sich an die Spitze der Kritiker der US-Plänen für ein Raketenabwehrsystem (NMD) gestellt und Präsident George W. Bush scharf attackiert. Zum ersten Mal nahm dabei auch der Staatspräsident und Militärchef direkt zu NMD Stellung. "China lehnt dieses System ab, dessen Aufbau den Weltfrieden verletzt", sagte Jiang Zemin am Dienstag während eines Gesprächs mit dem deutschen Verteidigungsminister Rudolf Scharping. "Seine Errichtung sabotiert das weltweite strategische Gleichgewicht und die Stabilität.""Warnschuss" Die heftige Ablehnung kommt in einem Moment, wo zwischen den USA und Russland der Ton freundlicher geworden ist. Informierte Beobachter sprachen am Mittwoch von einem "chinesischen Warnschuss" an Washington und Moskau. Besonders auffällig attackierte ein Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua die Regierung Bush. Deren Haltung sei "härter, extremer und abenteuerlicher" als die unter der Regierung Clinton. Der Kommentar steht im Gegensatz zu dem kurz zuvor verbreiteten brieflichen Vorschlag von Bush an Kreml-Chef Wladimir Putin zur gemeinsamen Entwicklung, Forschung, Aufbau und Kontrolle des NMD. Xinhua hatte da noch den Brief als "ersten konstruktiven Vorschlag der neuen US-Adminstration" gelobt. (STANDARD-Korrespondent Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD Print-Ausgabe, 22.2.2001)