Wien - Das Präsidium im Hauptverband der Sozialversicherungsträger um Hans Sallmutter bleibt nun offenbar doch länger im Amt als ursprünglich angenommen. Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (F) erklärte am Mittwoch nach dem mehr als dreistündigen Krankenkassengipfel, Personalfragen würden erst geklärt, wenn die inhaltliche Arbeit abgeschlossen sei, daher sei "bis Ende März keine personelle Veränderung zu erwarten". Das von den Sozialpartnern vorgelegte Reformpaket zur Sanierung der Kassen wurde von Seiten Wanecks inhaltlich angenommen. Demnach wird das Sozialministerium nun gemeinsam mit den Sozialpartnern in Verhandlungen treten, um einen vollständigen Ausgleich für die entfallene Mehrwertsteuerbefreiung in Höhe von rund 1,1 Mrd S zu erreichen. Weiters wird in Gesprächen mit der Pharmaindustrie angestrebt, eine Anpassung der Handelsspannen für Medikamente an den europäischen Durchschnitt zu erreichen. Möglich ist auch eine Preisdämpfung im Rahmen der Regelungskompetenz des Sozialministers. In jedem Fall verstärkt werden soll der Einsatz von Generika. Kommunikationsmodell Gesprochen werden soll auch mit den Ärzten. Hier wird die Umsetzung eines partnerschaftlichen Kommunikationsmodells (Verhalten bei Medikamentenverschreibungen, Zuweisungen, Krankschreibungen) nach dem Vorbild der von der oberösterreichischen Kasse entwickelten Medicom verlangt. Ziel dabei ist eine deutliche Kostensenkung bei gleichbleibender Behandlungsqualität, unterstrich Waneck. ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch zeigte sich mit dem Ergebnis des Gesprächs absolut zufrieden: "Ich glaube, dass der aufgeregten Diskussion vom Anfang jetzt eine sachliche Diskussion folgt". Auch AK-Präsident Herbert Tumpel lobte, dass nun eine Grundsatzverständnis entwickelt worden sei. Man sei einig, dass keine Maßnahmen gesetzt werden dürften, die einem Diktat gleichten. "Unbequemer Weg Wirtschaftskammer-Generalsekretär Reinhart Mitterlehner erklärte, man habe den etwas unbequemeren Weg beschritten, indem man nicht Selbsthalten und Beitragserhöhungen, sondern Strukturreformen zur Basis der Kassensanierung mache. Er sei aber überzeugt, dass man auch auf diesem Weg das anvisierte Einsparungsvolumen von vier Mrd S erreichen könne. Auch Staatssekretär Waneck stellte außer Frage, dass eine Privatisierung oder Verstaatlichung des Gesundheitswesens von allen Seiten abgelehnt werde. über die Neustrukturierung des Hauptverbands wurde bei dem Gespräch allerdings noch nicht diskutiert. Hier will sich das Sozialministerium die Strukturvorschläge der Sozialpartner noch näher ansehen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber hatten u.a. eine stärkere Lenkungs- und Koordinierungskompetenz für den Hauptverband gegenüber den einzelnen Trägern vorgeschlagen. (APA)