Die Diskussion um die TV-Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zum Kosovo-Krieg "Es begann mit einer Lüge" hält an. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) bezichtigte den am 8. Februar von der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt ARD ausgestrahlten Film der Fälschung. Darin war Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) vorgeworfen worden, er habe gelogen und übertrieben, um die Unterstützung von Parlament und Öffentlichkeit für die NATO-Luftschläge zu sichern. Die FAZ berichtete unter Berufung auf den Leiter des Pressezentrums des KFOR-Hauptquartiers in Pristina, Oberstleutnant Rettelbach, der albanische Journalist Besnik Hamiti habe die beiden Filmautoren Mathias Werth und Jo Angerer in mehreren Punkten der Irreführung beschuldigt. Der für den Bayerischen Rundfunk tätige Hamiti habe das WDR-Team bei dessen Aufnahmen im Kosovo begleitet und erklärt, er habe "von Anfang an gegen die parteiische und unseriöse Recherche des Teams protestiert". In dem Film ging es auch um die Darstellung von Scharping, die Serben in Pristina seien aufgefordert worden, zu ihrem eigenen Schutz ein großes "S" auf die Haustür zu malen. Im Filmtext hieß es dazu, das "S" sei auf keiner einzigen Tür zu sehen gewesen. Hierzu sagte Hamiti laut FAZ, er habe dem WDR-Autor Werth "dieses heute noch in Pristina zu findende Zeichen gezeigt". In dem WDR-Film wird auch der Darstellung Scharpings widersprochen, am 27. April 1999 seien in Rogovo unschuldige Zivilisten von serbischer Spezialpolizei massakriert worden. Hamiti erklärt laut FAZ, die beiden Filmer hätten mit einem Zeugen gesprochen, der ausgesagt habe, es habe sich um ein Massaker gehandelt. Dieses Interview sei nicht in den Film aufgenommen worden. Albrecht Reinhardt, Leiter der Fernseh-Programmgruppe Ausland beim WDR, wies die in der FAZ erhobenen Vorwürfe der "schwerwiegenden Manipulation" zurück. "Wir stehen nach wie vor zu unserem Filmbeitrag", sagte er in Köln. "Unsere Recherchen halten stand." Der Autor des FAZ-Berichts habe es nicht einmal für notwendig gehalten, den WDR anzurufen und um eine Stellungnahme zu bitten. Das WDR-Fernsehen hatte am Montagabend im Anschluss an eine erneute Ausstrahlung des Films eine Live-Diskussion mit Experten gebracht. Dabei war es auch zwischen WDR-Autor Werth und dem Balkan-Korrespondenten der FAZ, Matthias Rüb, zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Scharping hatte eine Einladung zu der Sendung nicht angenommen. Grund war seine lange geplante Reise nach China zur selben Zeit, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwochabend in Berlin. Scharping habe dem WDR aber angeboten, sobald er Zeit habe, in eine Sendung zu kommen - allerdings im ersten Programm, wo der Film auch als erstes ausgestrahlt worden war, und zur selben Sendezeit. Einen Vertreter für Scharping in die WDR-Live-Diskussion zu schicken, habe das Ministerium abgelehnt. (APA/dpa)