München/Berlin - Der selbst ernannte Münchner Opferanwalt Michael Witti und sein US-Kompagnon Ed Fagan haben neue Mandanten: Sie wollen "die Betroffenen, Geschädigten und für dumm Verkauften" vertreten, die von der BSE-Krise betroffen seien. Bisher gehören "eine Hand voll Landwirte" aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Polen zu ihren Mandanten, darunter drei österreichische Bauern, so Witti. Weitere potenzielle Kläger werden gesucht. "Wir sind erst am Anfang."

Die Anwälte versuchen, "Ansprüche gegen Regierungen und die Tierfuttermittelindustrie durchzusetzen", so Witti. Namen von Firmen wollte er nicht nennen. Die Betriebe sollen vor allem in den USA auf Schadenersatz verklagt werden. "In Amerika gibt es ganz andere Beträge", sagte Witti. Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen, nur so viel: Es handle sich um Milliardenbeträge - in D-Mark.

In Europa können keine Sammelklagen eingereicht werden, sondern der einzelne Landwirt muss - etwa nach einer Herdenschlachtung - seinen Schaden einklagen. Für Witti ist auch eine Klage gegen die EU denkbar.

Matthias Schneider, Agrarexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), plädierte am Donnerstag für eine EU-einheitliche Regelung zur Abdeckung der BSE-Folgekosten. Wenn in Deutschland die öffentliche Hand zahlt, in Österreich aber die Fleischwirtschaft mit zur Kasse gebeten werde, bedeutete dies eine Wettbewerbsverzerrung.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 2. 2001).