Wien - Yasser Arafat steht wie kein anderer für den Kampf der Palästinenser für einen eigenen Staat. Der im Vorjahr 70 gewordene Arafat mit dem grauen Stoppelbart und dem Palästinensertuch steht seit 30 Jahren an der Spitze der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). In dieser Zeit wandelte er sich vom geächteten "Terroristen" zum international anerkannten und mit dem Friedensnobelpreis geadelten Präsidenten der Palästinenser. Arafat entstammt der alten Palästinenser-Familie der Husseini. Seinen Papieren zufolge wurde er am 27. August 1929 als Abdal Rauf Arafat el Kudwa el Husseini in Kairo geboren, es kursieren aber mehrere weitere Geburtsdaten. Arafat gibt auch an, in Jerusalem zur Welt gekommen zu sein - die Stadt hat für ihn schließlich als politisches und religiöses Symbol besondere Bedeutung als ersehnte Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates. Der Sohn einer wohlhabenden Tuchhändlerfamilie, der sich schon als Halbwüchsiger an Aktionen gegen die britische Mandatsmacht und zionistische Gruppen in Palästina beteiligt hatte, nahm laut offiziellem Lebenslauf nach Abschluß des Elektrotechnikstudiums in Kairo 1956 auf ägyptischer Seite am zweiten israelisch-arabischen Krieg teil. Dann arbeitete er in Kuwait als Teilhaber einer Baufirma, die im Auftrag der Regierung des Emirats Straßen und Häuser baute. "Abu Amar" 1959 gründete Arafat unter dem Decknamen "Abu Amar" die palästinensische Kampforganisation "Fatah", die ab 1965 vom Libanon aus gegen Israel vorging. 1969 wurde er als Nachfolger von Ahmed Shukeiri Vorsitzender der 1964 gegründeten Palästinensischen Befreiungsorganisation. "Der Widerstand ist keine Vergnügungsreise", predigte Arafat während seiner Exiljahre. Er hat es erlebt: Nicht nur Israel hatte er zum Gegner, auch arabische Staaten standen der PLO-Politik oft feindlich gegenüber. Während des "Schwarzen Septembers" 1970 vertrieben die jordanischen Truppen König Husseins Arafats Kämpfer in den Libanon. Zwölf Jahre später musste er vor israelischen Soldaten aus Beirut fliehen und verlegte den PLO-Hauptsitz nach Tunis. "Ich bin der Phönix, der aus der Asche steigt" 1990 machte er einen schweren taktischen Fehler: Er stellte er sich in der Golfkrise auf die Seite des Irak, worauf die reichen Golf-Staaten ihre Finanzhilfen für die PLO stoppten. Doch immer wieder schaffte Arafat das Comeback: "Ich bin der Phönix, der aus der Asche steigt", sagt er selbst, andere nennen in weniger elegant "Stehaufmännchen. In geheimen Verhandlungen erreichte Arafat 1993 erstmals in Oslo einen Durchbruch im jahrzehntelangen Kampf für einen Palästinenser-Staat. Erstmals erkannten Israel und die PLO einander an - Grundlage für die späteren Autonomieabkommen. Im Jänner 1996 wurde Arafat zum Präsidenten der Palästinensischen Nationalbehörde (PNA) gewählt. Doch noch immer ist er ein Staatsmann ohne Staat und die Verhandlungen mit Israel sind nicht erst seit dem Wahlsieg Ariel Sharons dem Stillstand näher als dem Durchbruch. So wird der Palästinenserpräsident noch weiter durchhalten müssen. (APA)