Tübingen - Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist die am schwierigsten zu bekämpfende Seuche, die Tierärzte kennen. Das sagt Bernd Haas, der Leiter des nationalen Referenzzentrums für Maul- und Klauenseuche in Tübingen. Die Krankheit zeigt sich durch Bläschen an den Klauen. Befallen werden Klauentiere wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und einige Wildarten. Auslöser sind Viren Ausgelöst wird die Seuche von Picornaviren. Das Fehlen einer fetthaltigen Hülle macht diese Viren resistent gegen eine Desinfektion mit Lösungsmitteln wie Äther. Sie können aber mit säurehaltigen Lösungen bekämpft werden. Impfungen gegen MKS wurden 1991 eingestellt, weil sie den Tieren keinen sicheren Schutz gegen die vielen verschiedenen Viren-Stämme geboten hätten, berichtet Haas. Inkubationszeit Die anzeigepflichtige Krankheit hat eine Inkubationszeit von zwei bis 18 Tagen. Infektionen sind möglich durch Futter, Milch, Kot, Blut, andere Haustiere oder den Menschen, der den Virus mit Kleidern oder Stiefeln verbreitet. Symptome sind Fieber, Fressunlust, Versiegen der Milch und Lahmheit. Bei Jungtieren verläuft MKS mitunter tödlich, weil sich der Herzmuskel entzündet. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich. Verheerende Folgen Verheerende Folgen kann die Einschleppung der MKS in Gebieten mit moderner, intensiver Landwirtschaft haben. In Großbritannien kam es Haas zufolge auf dem Höhepunkt einer Epidemie 1966 zu etwa 80 Neuausbrüchen pro Tag. Insgesamt waren 2346 Gehöfte betroffen; 433.987 Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine wurden getötet. Bei der MKS-Epidemie 1997 auf Taiwan breitete sich die Seuche binnen weniger Tage über fast die gesamte Insel aus. Ausbrüche wurden in 6.134 Beständen mit mehr als 4,6 Millionen Schweinen gemeldet. Die wichtigsten Bekämpfungsstrategien sind die Tötung befallener sowie möglicherweise schon infizierter Bestände ("stamping out") und die Verhängung umfangreicher Sperrmaßnahmen, mit denen der Handel mit Klauentieren und deren Produkten unterbunden wird. Maul- und Klauenseuche für Tiere hochgradig ansteckend Das Einfuhrverbot von britischen Schlachttieren, Fleisch- und Milchprodukten in die anderen Mitgliedsstaaten ist "völlig sinnvoll und angemessen", findet Bernd Haas von der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere bei Greifswald. "Auch den anderen EU-Staaten droht eine Übertragung der Seuche. Es lässt sich aber noch nicht abschätzen, wie groß die Gefahr wirklich ist," sagte der Wissenschafter. Auf jeden Fall sei sie größer als in den vergangenen zehn Jahren, betont der Virusforscher. Denn durch die Ausweitung des Tierhandels in der EU habe sich auch die Seuchen-Wahrscheinlichkeit erhöht. "Keine Gefahr für den Verbraucher" Dennoch gibt der Virusforscher vorsichtig Entwarnung: "Eine Gefahr für den Verbraucher besteht nicht." Auf den Menschen übertrage sich die Seuche nur in sehr hohen Virusdosen. "Da muss ich schon mit einer Hautverletzung an der Hand an ein krankes Schwein herangehen", sagt Haas. Für Tiere ist die Ansteckungsgefahr ungleich höher: Das Futter, Tiertransporter und sogar der Wind können das Virus übertragen. In Deutschland brach die Seuche das letzte Mal 1988 aus. Die seitdem anhaltende, fast 13-jährige Immunphase führt Haas auf strikte Kontrollen zurück. Schwellen- und Entwicklungsländer bilden jedoch einen regelrechten "Seuchen-Gürtel", über den das Virus immer wieder nach Europa eingeschleppt werde. Dass die Maul- und Klauenseuche jetzt ausgerechnet in Großbritannien ausgebrochen ist, "hat uns alle sehr überrascht", sagt Haas. "Das zeigt aber, dass wegen des internationalen Tierhandels jedes Land betroffen sein kann." Deutschland mache hier keine Ausnahme. Für Haas liegt die Vermutung nahe, dass die Schweine mit verseuchten Abfällen gefüttert wurden. Weil dieser Verdacht sich aber noch nicht bestätigt hat, befürwortet Haas die Befristung des EU-Importstopps bis zum 1. März: "Dann wissen wir mehr." (APA/dpa)