Wien - Der ÖGB-Bundesvorstand hat am Donnerstag beschlossen, die Organisationsreform dem "ständigen Organisationsausschuss" zuzuweisen. Das bedeutet, dass die von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch vorgeschlagene Neustrukturierung noch einmal diskutiert und im Sommer noch einmal vorgelegt werden soll. Grundsätzlich geht es darum, dass der derzeit in 13 Facchgewerkschaften organisierte ÖGB künftig nach acht Wirtschaftsklassen strukturiert werden soll, was dem deutschen "Industriegruppenprinzip" entspräche. Dies ist bereits seit gut zehn Jahren in Diskussion. Regelmäßig wurde die Auseinandersetzung als eine zwischen der mächtigen, aber nicht mehr dominierenden Metallarbeitergewerkschaft und der Privatangestelltengewerkschaft GPA interpretiert. Die Angestellten würden bei konsequenter Anwendung des Industriegruppenprinzips den Arbeitergewerkschaften der jeweiligen Branche zugeschlagen. Deshalb hat es in der Vorwoche auch Proteste aus der GPA gegeben, die ihre Zerschlagung befürchtet. Gut organisiert Die GPA ist nämlich mit 294.964 von 1,465.164 ÖGB-Mitgliedern die stärkste Teilgewerkschaft. Und sie ist besonders gut organisiert. Die kleineren Teilgewerkschaften tun sich oft schwerer, flächendeckend tätig zu werden. Diesem Faktum gilt die besondere Aufmerksamkeit der ÖGB-Reform: Letztlich soll jedes Mitglied eine zweifach wirksame Vertretung haben: O Einmal geht es um die Kollektivvertragspolitik und die Mitsprache der Gewerkschaft bei Fragen, wo eine branchenspezifische Vertretung notwendig ist. O Zum anderen in unmittelbar mit dem Arbeitsverhältnis zusammenhängenden Fragen - also etwa wenn es um einen Rechtsstreit mit dem Arbeitgeber geht. Es ist gerade diese Mitgliederbetreuung, die nicht unbedingt fachspezifisch erfolgen muss, weil sich arbeitsrechtliche Fragen von Bankangestellten und Kellnern nicht grundlegend unterscheiden. Hier könnten entweder Gewerkschaften zusammenarbeiten oder die Tätigkeit an ÖGB-Bezirkssekretariate auslagern. Es ist allerdings fraglich, ob der Gewerkschaftsbund diese Struktur aufrechterhalten will. Nach dem Bundesvorstand gaben sich sowohl Präsident Fritz Verzetnitsch als auch GPA-Chef Hans Sallmutter zuversichtlich, dass die Neuregelung konfliktfrei gestaltet wird. (cs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. Februar 2001)