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APA / Patrick Bernard
Paris - Der grüne Europa-Politiker Daniel Cohn-Bendit hat sich nochmals nachdrücklich von seinen Äußerungen aus den 70er Jahren über den sexuellen Umgang mit Kindern distanziert. Die damalige "Provokation" wirke nach den Kinderschänder-Skandalen der vergangenen Jahre "unerträglich", sagte Cohn-Bendit der Pariser Tageszeitung "Le Monde" (Freitagausgabe). Heutzutage würde "niemand mehr so etwas schreiben". Cohn-Bendit verwies darauf, dass die 68er-Bewegung neben den traditionellen Autoritäten auch die Tabus beim Thema Sexualität von Kindern in Frage gestellt habe. Er bestritt jedoch, dass die in dem 1975 erschienenen Buch "Le Grand Bazar" ("Der große Basar") beschriebenen Szenen in jedem Detail persönlich gelebte Wirklichkeit widerspiegelten. Bisweilen habe er in der Ich-Form geschrieben, um "die Debatte zu verdichten". In dem umstrittenen Text berichtet er über Erfahrungen, die er als erwachsener Betreuer in einer Frankfurter Kindergruppe machte. "Ich fühlte, wie die kleinen Mädchen schon mit fünf Jahren wussten, wie sie mich anmachen konnten", heißt es dort. Kleine Kinder hätten ihm den Reißverschluss geöffnet und ihn berührt. Er habe sie gefragt, warum sie sich für ihn interessierten. "Wenn sie nicht aufhörten, habe ich sie aber doch gestreichelt." Der konservative Politiker Philippe de Villiers, der 1994 rechts von der gaullistischen RPR-Partei die Bewegung für Frankreich (MPF) gründete, forderte unter Hinweis auf solche Passagen am Donnerstag den Rücktritt Cohn-Bendits. Der grüne Spitzenkandidat für die bevorstehenden Kommunalwahlen in Paris, Yves Contassot, sprach von einer "Operation der Destabilisierung". Er verwies darauf, dass sich eine Frankfurter Gruppe von Eltern der damals von Cohn-Bendit betreuten Kinder gegen eine politische Verwertung dieser Diskussionen verwahrt habe. Durch die Veröffentlichung von Cohn-Bendits Äußerungen in der jüngsten Ausgabe des "Express" war die Debatte, die Ende Jänner im britischen "Observer" einsetzte und zum Teil auch in Deutschland geführt wurde, nach Frankreich getragen worden. Der 1945 in Südfrankreich geborene Cohn-Bendit, der 1968 zu den führenden Köpfen der Pariser Studentenrevolte gehörte, hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Er wurde 1999 für die französischen Grünen ins Europaparlament gewählt. (APA)