Bonn - Auch im Gehirn musikalischer Laien sind die Grundmuster der Harmonielehre offenbar fest programmiert. Die Fähigkeit, musikalische Strukturen zu erkennen, ist demnach allen Menschen schon mit der Geburt gegeben. Darauf weisen nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen mehrere neue Studien hin. Wissenschafter der Universität von Toronto hatten sechs bis neun Monate alten Kleinkindern diverse Melodien und musikalische Tonfolgen vorgespielt. Wenn sich das Tempo oder die Tonhöhe änderte, hörten die Kleinen den Angaben zufolge mit gesteigerter Aufmerksamkeit hin. Außerdem signalisierten sie durch ihr Verhalten, dass ihnen geringfügige Abweichungen der melodischen Struktur auffielen. Fröhliches Lächeln "Die größte Überraschung kam jedoch, als die Psychologin den Winzlingen wohl klingende (konsonante) und dissonante Passagen präsentierte", berichtete der Berufsverband. Konsonante Tonfolgen wie der Dur-Dreiklang, der aus Grundton (C), großer Terz (E) und reiner Quint (G) besteht, habe den Kindern ein fröhliches Lächeln entlockt. Auf dissonante Intervalle hätten die jungen Zuhörer jedoch mit allen Zeichen des Widerwillens reagiert. Neurobiologen kreisen nach Angaben der Psychologen derzeit die genaue Position dieser Fähigkeit im menschlichen Gehirn ein. Wenn sie die Region des so genannten rechten Schläfenlappens bei Patienten stimulieren, drängen sich diesen lebhafte musikalische Halluzinationen auf. An dieser Stelle würden bei manchen Patienten sogar epileptische Anfälle durch Musikstücke ausgelöst, wobei die Anfälligkeit von individuellen Neigungen abhänge. (AP)