Wien - Einen ungewöhnlichen Vorschlag für die Bestrafung ausländischer Straftäter präsentierte Walter Hauptmann, Kriminalpsychologe an der Universität Salzburg. In seinem Vortrag beim Strafrechts-Seminar in Ottenstein trat er am Freitag dafür ein, "vorsichtig" nach der "Sanktionsempfindlichkeit" des Täters zu differenzieren. Ausländische "therapieresistente" Straftäter sollten schärfer bestraft werden als "harmlosere" Täter - weil sie auch eine geringere "Sanktionsempfindlichkeit" hätten. Unter "therapieresistenten" ausländischen Straftätern versteht Hauptmann Ausländer, für die Straftaten "zum 'Beruf' geworden sind, der sie relativ gut (über)leben lässt" und von denen "eine Verhaftung als bloßer 'Betriebsunfall' empfunden wird". Laut einem deutschen Strafvollzugsexperten würden "ausländische Drogendealer ihren Kurieren Dokumentarfilme aus deutschen Justizanstalten vorführen, um ihnen zu zeigen, wie wenig beängstigend eine etwaige Inhaftierung wäre". Mit derartigen Bildern würde vielen Südamerikanern, Afrikanern und Asiaten erfolgreich vorgegaukelt: "Wenn sie euch erwischen, habt ihr dieses schöne Hotel." Komplexe Sanktionsempfindlichkeit Auf solche Phänomene müsse man, meint Hauptmann, reagieren. Eine generelle Steigerung der Strafhärte wäre seiner Meinung nach als "krasse Überreaktion gegenüber allen 'harmloseren' Tätern abzulehnen". Also müsse man differenzieren. Hauptmann ist überzeugt, dass man als Richter durchaus in der Lage sei, eine wenn auch "komplexe Persönlichkeitseigenschaft wie die Sanktionsempfindlichkeit" zu messen. Noch bis Ende 1974 habe es im Strafrecht die Möglichkeit gegeben, die teilweise noch drakonischen Strafdrohungen durch das sogenannte "Strafumwandlungsrecht" durch die Gerichte zu verändern. So konnte etwa eine zwölfmonatige Haft auf drei Monate reduziert werden, mit gleichzeitigen Verschärfungen wie Fasten, hartes Lager, Einzel- oder Dunkelhaft, erklärte Hauptmann. (APA)