Wien - Einen Appell zum "Gewaltverzicht" richtete Bürgermeister Michael Häupl am Freitag nicht nur an die Demonstranten, sondern auch an die FPÖ. Deren Spitzenkandidatin Helene Partik- Pablé möge die "Verleumdung Wiens einstellen". Auch verbale Gewaltakte würden "dem Ruf dieser Stadt schaden". Im Besonderen bezog sich der Bürgermeister dabei auf den FP-Slogan zur Drogenproblematik in Wien. "Ich akzeptiere, dass sie Mutter ist", so Häupl an die Adresse Partik-Pablés, "aber ich akzeptiere nicht, dass sie meint, belehrend sagen zu müssen, was sich in dieser Stadt abspielt". "Das ist doch nicht unser Wien mit einem vergleichsweise kleinen Drogenproblem", korrigierte der Bürgermeister. Wiens Drogenpräventionsmaßnahmen seien zudem international anerkannt, nur die FPÖ nehme dies nicht zur Kenntnis. Partik-Pablé solle endlich "ein Konzept vorlegen, wie sie es besser machen würde." Breite Akzeptanz Wiens Drogenpolitik solle aber auch nicht am "Willen und Empfinden der Bevölkerung vorbei" gestaltet werden, betonte Peter Hacker vom Fonds soziales Wien. Bereits seit 1995 würde daher deren Haltung in einer IFES-Studie abgefragt. Nur 24 Prozent der Befragten hätten im Februar 2001 die Meinung vertreten, dass sich die Drogensituation in den vergangenen zwei bis drei Jahren verschlechtert hätte. 1995 waren es derer noch 49 Prozent gewesen. Mehr als die Hälfte ist sogar der Meinung, dass die Drogensituation in Wien im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten "eher besser" sei. Diese Haltung korreliert mit der deutlich gestiegenen positiven Einschätzung der Wiener Drogenpolitik: Hielten diese 1995 noch 17 Prozent für "gut", sind es heuer 40 Prozent. Eine deutliche Mehrheit von 70 Prozent sprach sich wie schon in den vergangenen Jahren gegen eine Kriminalisierung von Drogenabhängigen aus, nur ein Fünftel der Befragten ist für Haftstrafen für Konsumenten. Mehr als die Hälfte ist gegen eine Liberalisierung von Haschisch, eine völlige Freigabe des Drogenkonsums und -Handels befürworten nur sechs Prozent. Den Ausbau von Therapiestationen halten 80 Prozent für sinnvoll, 85 Prozent halten auch Substitutionsbehandlungen für richtig. Könnten die Befragten selbst Schwerpunkte setzen, würde mehr als die Hälfte in Prävention investieren und 29 Prozent therapeutische Hilfe favorisieren. Nur sieben Prozent sehen in verstärktem Polizeieinsatz ein geeignetes Mittel der Drogenpolitik. (tapa/DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2001)