Innsbruck - Eine Untersuchung des Lawinenunglücks vom Freitag im Tiroler Obergurgl soll klären, ob die Verantwortlichen für die Sicherheitsvorkehrungen fahrlässig gehandelt hätten. Eine Untersuchungsrichterin und eine Abordnung der Staatsanwaltschaft hatten sich in die Ermittlungen eingeschaltet. Die Lawinensituation in Obergurgel habe sich inzwischen entspannt, teilte Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst Tirol am Samstag mit. In Tirol herrschte weiterhin große Lawinengefahr. Gefahrenstellen befanden sich aufgrund der beträchtlichen Neuschneezuwächse und der "sehr umfangreichen Schneeverfrachtungen" in allen Hangrichtungen. Es sei "nur mehr mit dem vereinzelten Abgang" von spontanen Lawinen zu rechnen. Für Wintersportler sei die Situation gefährlich, da bereits "bei geringer Zusatzbelastungen eine Lawinenauslösung an Steilhängen wahrscheinlich" sei. Das Lawinenunglück im Ötztal könne nicht mit mit der Katastrophensituation vor zwei Jahren in Galtür und Valzur bei Ischgl (38 Tote) verglichen werden, betonte Nairz gegenüber der APA. Die Schneeverhältnisse seien ganz andere gewesen. Es sei nun Aufgabe der Kommission zu klären, wie die Entscheidungsfindung der Verantwortlichen vor Ort zustande gekommen sei. Rundherum hätte es Straßensperren gegeben, die Gurgler Landstraße hingegen war für den Verkehr frei passierbar gewesen. Das Unglück dürfte durch eine Kettenreaktion entstanden sein, führte Nairz aus. Das erste Schneebrett hatte sich vermutlich in eine Staublawine entwickelt und den ganzen Hang mitgerissen. Die Strasse war auf eine Länge von mehreren hundert Metern, teilweise bis zu vier Meter hoch verschüttet worden. Nach vorläufigen Schätzungen der Gendarmerie waren etwa 2.000 Helfer am Einsatz beteiligt. Für eine deutsche Familie aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen kam jede Hilfe zu spät. Ihr Fahrzeug war von den Schneemassen zerquetscht worden. Drei Fahrzeuginsassen aus zwei weiteren verschütteten Fahrzeugen hatten sich selbst befreien können. (APA)