Kairo - US-Außenminister Colin Powell ist am Samstag in Kairo zum ersten offiziellen Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Igor Iwanow zusammengetroffen. Wichtigstes Thema ihrer Beratungen sind der US-Plan eines Abwehrsystems für Atomraketen (NMD) und die künftige Irak-Politik der USA. Russland ist strikt gegen das System und betrachtet es als Verletzung des Vertrages zur Beschränkung der Raketenabwehr-Systeme (ABM) von 1972. Die USA begründen ihre Pläne mit der Bedrohung des Landes durch unberechenbare Staaten wie Irak, Iran und Nordkorea. Russland sieht darin eher einen Versuch, sein Atomwaffenarsenal zu entwerten und warnt vor einem neuen Wettrüsten. Der russische Alternativvorschlag von Präsident Wladimr Putin stieß bei den USA auf wenig Gegenliebe. Nach Powells Worten zeige dieser aber keine ernsthafte Alternative auf. Nach seinem ersten Eindruck biete der Vorschlag wenig Ansatzpunkte für die USA. Der Plan beziehe sich auf ein grundsätzlich anderes System und orientiere sich stärker an einem Schutz für begrenzte Gebiete. NMD zielt darauf, das die gesamte USA zu schützen. Er hoffe jedoch, dass die USA mit Russland und auch China Wege der Zusammenarbeit finden würden. China ist ebenso wie Russland gegen die NMD-Pläne der USA. Irak-Embargo soll sich gegen Regierung richten Zur geplanten Neuausrichtung der Wirtschaftssanktionen gegen den Irak sagte Powell, er wolle die arabischen Staaten überzeugen, dass sich das Embargo künftig nicht mehr gegen die irakische Bevölkerung richten solle, sondern allein gegen die Regierung in Bagdad. Eine effektivere Gestaltung der Sanktionen werde es dem Irak unmöglich machen, Massenvernichtungswaffen herzustellen, unterstrich der US-Außenamtschef. Er werde mit seinen arabischen Gesprächspartnern darüber beraten, welche Mittel es gebe, um die Sanktionen besser durchzusetzen. Details nannte Powell nicht. Er drohte aber, falls der Irak die internationalen Auflagen auch weiterhin missachte, müssten die USA neue Luftangriffe in Erwägung ziehen. Nach dem Treffen mit Iwanow stand en Gespräche mit dem ägyptischen Außenminister Amr Mussa und Präsident Hosni Mubarak auf dem Programm Powells. Noch am Abend wollte Powell nach Jerusalem weiterreisen. Dort waren Gespräche mit dem scheidenden Ministerpräsidenten Ehud Barak sowie dessen designiertem Nachfolger Ariel Sharon geplant. Am Sonntag will Powell auch mit Palästinenser-Präsident Yasser Arafat zusammentreffen. (APA/Reuters)