Belgrad - Gegen den nun verhafteten früheren Chef des serbischen Staatssicherheitsdienstes, Rade Markovic, sind in Belgrad Ermittlungen wegen des Verdachts auf vorsätzlichen Mord und Dokumentenfälschung eingeleitet worden. Bei einer Pressekonferenz Samstag abend sagte der serbische Innenminister Vladan Batic weiters, dass die Ermittlungen auch gegen zwei weitere Personen laufen. Der Innenminister wollte ihre Identität allerdings nicht enthüllen. Batic bestätigte, dass gegen Markovic wegen des angeblichen Verkehrsunfalls ermittelt wird, bei dem am 3. Oktober 1999 vier Spitzenfunktionäre der Serbischen Erneuerungsbewegung (SPO) ums Leben gekommen waren. Bei dem mysteriösen Unfall, der durch einen mit Sand beladenen Lastwagen nahe Belgrad verursacht worden war, war auch SPO-Chef Vuk Draskovic leicht verletzt worden. Die von der SPO engagierten Anwälte hatten schon kurz nach dem Unfall Markovic wegen eines Mordanschlags an Draskovic beschuldigt. Sie hatten auch herausgefunden, dass der Lastwagen Markovic gehört habe. Batic bestätigt nun diese Angaben. Haftstrafe von mindestens zehn Jahren Belgrader Medien hatten gemeldet, dass Markovic und drei weitere Polizeifunktionäre, darunter der frühere Chef der Belgrader Polizei, Branko Djuric, bereits am Freitag festgenommen worden seien. Innenminister Batic wollte im "Interesse der Ermittlungen" keine Einzelheiten bekanntgeben und auch nicht präzisieren, ob sich Markovic bereits in Untersuchungshaft befindet oder nur zu einer Einvernahme festgenommen worden war. Für vorsätzlichen Mord droht dem früheren Chef des Staatssicherheitsdienstes eine Haftstrafe von mindestens zehn Jahren. Auch die Verhängung der Todesstrafe ist nicht ausgeschlossen. Markovic war von Herbst 1988 bis Ende Jänner 2001 Chef des Staatssicherheitsdienstes und gilt nach wie vor als einer von Vertrauensleute von Slobodan Milosevic. Nach dem Umsturz in Belgrad am 6. Oktober des Vorjahres hatte er Milosevics Sohn Marko geholfen, das Land unter einem falschen Namen zu verlassen. (APA)