Wien - In schlechten Börsenzeiten ist Besinnung angesagt. Besinnung auf alte, bewährte Prinzipien, die zwar vielleicht keinen raschen, dafür aber dauerhaften Gewinn versprechen. Naheliegend, dass man auf Aktien zurückgreift, die eine erfolgreiche Gewinn-Reihe aufgebaut haben und nach Expertenmeinung zumindest in naher Zukunft diesen Trend beibehalten werden. Gewinn in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Entsprechende Konzepte sind nicht neu, verdienen es aber gerade jetzt, genauer unter die Lupe genommen zu werden.

Der Analyst Josef Hundsrucker von der Neuen Vermögen AG hat sich damit intensiv beschäftigt und Kriterien ausgearbeitet. Sein Konzept: Nur in Aktien investieren, die über die letzten fünf Jahre einen positiven Gewinntrend je Aktie aufweisen und diese Trendreihe im laufenden und kommenden Jahr auch fortzusetzen versprechen.

Absolutes Ausschlusskriterium ist ebenso ein Verlust-ausweis in den letzten fünf Jahren. Kritisch beurteilt Hundsrucker Gewinnrückgänge um mehr als zehn Prozent. Handelt es sich um eine einmalige Delle, bleibt die Aktie auf seiner Liste.

Eine zweite Enttäuschung wird aber nicht mehr akzeptiert. Für das laufende und das nächste Jahr müssen die Schätzungen der Analysten ebenfalls Gewinnsteigerungen anzeigen. Um die Prognosen rechtzeitig verifizieren zu können, sind regelmäßige Zwischenberichte erforderlich. Unternehmen ohne zumindest Halbjahresberichte fliegen aus der Liste.

Hundsrucker hat sich die Mühe gemacht, aus amerikanischen und europäischen Aktiendaten eine aktuelle Liste auf Basis seiner "Quality-Strategie" zu erstellen. Infrage kamen nur marktbreite Papiere, die auch in den wichtigen Indizes enthalten sind.

"38 US-Aktien und 32 europäische Titel haben sich tatsächlich qualifiziert", sagt er. Eine Champions-League der Aktien, in der zumindest halbjährlich gespielt wird. "Wichtig ist vor allem, dass man keine Ausnahmen macht, die Prinzipien unbedingt einhält. Dabei mussten wir eben auch manche heilige Kühe, zum Beispiel Nokia, schlachten."

Liste der Champions

Für die Anlagepraxis, sofern es sich nicht gerade um einen Investmentfonds handelt, ist die Liste sicher zu groß. Daher wurden die Auswahlkriterien nochmals verschärft, die mögliche Zahl auf 20 Aktien eingeschränkt. Natürlich hat er seine Champions dann auf ihre bisherige Performance überprüft.

Und war recht zufrieden: Denn hätte ein Anleger eine Million Schilling gleichmäßig in die jeweils 20 bestqualifizierten Titel investiert, hätte er alljährlich seit Anfang 1998 wesentlich besser als die gängigen Aktienindizes abgeschnitten.

360 Prozent im Plus

Während der deutsche DAX-Index von Anfang 1998 bis Mitte Jänner 2001 rund 57 Prozent zulegte, der Dow Jones Industrial etwa 38 Prozent und der technologieorientierte Nasdaq Composite circa 70 Prozent, konnten die 20 zu Jahresbeginn 1998 bestqualifizierten Unternehmen aus Hundsruckers Liste im gleichen Zeitraum 360 Prozent zulegen.

Selbst für die schwierige Periode ab Anfang 2000 liegt das entsprechende Portfolio mit plus 32 Prozent wesentlich besser als DAX (minus sechs Prozent), Dow Jones (minus acht Prozent) oder gar Nasdaq (minus 35 Prozent).

Dass die Kriterien eine ständige Prüfung erfordern, zeigt sich an den Veränderungen der Investment-Liste zwischen Anfang 1998 und Jahresbeginn 2000.

Von den zwanzig Werten 1998 waren dann nur mehr acht im Musterdepot, näm- lich AGF, BNP, Citigroup, Fresenius, Lehmann Bro- thers, Siebel Systems, Southwest Airlines und Total Fina. Zwölf Aktien schieden aus, darunter die deutsche Allianz, Nokia oder Wal-Mart Stores. (STANDARD-Mitarbeiter Nikolaus Dolenz, Der Standard, Printausgabe, 26.02.2001)