San Diego - Nach dem derzeit gängigsten kosmologischen Modell entstehen größere Galaxien wie unsere Milchstraße dadurch, dass sich mehrere kleine im Verlauf von Jahrmilliarden verschmelzen. Das Projekt "2dF Old Stellar Population Survey" hat sich auf die Suche nach Anzeichen für einen solchen Prozess in unserer Heimatgalaxis gemacht. Tatsächlich gibt es laut Rosemary Wyse von der Krieger School of Arts and Sciences an der Johns Hopkins Universität mehrere Indizien dafür, dass die Milchstraße vor längerer Zeit (Schätzungswert 10 Milliarden Jahre) zumindest eine Satelliten-Galaxis "geschluckt" hat. Gegenwärtig wird die Milchstraße noch von etwa zehn Satelliten-Galaxien begleitet, die bekanntesten davon sind die Magellanschen Wolken. Indizien Ihrer Form nach ist die Milchstraße eine Scheibe, in der sich die Sterne in relativem Einklang bewegen. Doch enthält die Galaxis auch eine verdickte Komponente. Diese "dicke Scheibe" (laut Wyse) mit größerer Höhe als der Rest der galaktischen Hauptebene könnte ein Anzeichen für eine geschluckte Satellitengalaxis sein. Die Einbindung eines vergleichsweise massiven Satelliten in die galaktischen Strukturen würde nämlich in einer Aufnahme kinetischer Energie von der Satellitengalaxis resultieren - und dies könnte wiederum zu einer solchen Verdickung der Scheibenhöhe, wie sie real existiert, führen. Auch einige angemessene Muster von Stern-Bewegungen weisen in dieselbe Richtung. Auf der Jahrestagung der American Astronomical Society in San Diego hat die Forschergruppe um Wyse zwar eingeräumt, dass sie bei ihrer Suche nach der Nadel im Heuhaufen noch nicht wirklich fündig geworden seien - doch glauben sie schon einen "Silberschimmer" ausfindig gemacht zu haben. Zum Beweis ihrer Theorie suchen die Forscher eine Gesamtmenge von etwa 10.000 Sonnen-ähnlichen Sternen nach ungewöhnlichen Bewegungsmustern ab. Die meisten dieser Sterne liegen außerhalb der galaktischen Hauptebene, da der Theorie nach durch den Verschmelzungsprozess Sterne aus ihrer Muttergalaxis herausgerissen worden sein müssten und die Milchstraße noch heute im einstigen Orbit umkreisten. Etwa 1.500 Sterne hat die Forschergruppe bisher geschafft, auf weitere Ergebnisse darf also gewartet werden. (exosci/red)