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Innsbruck - Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung bleibt der Schwerpunkt der Politik der FPÖ Tirol der interne Streit, meist mit dem im vergangenen Mai gewählten Parteiobmann Christian Eberharter, im Mittelpunkt. Jüngstes Beispiel ist der Rücktritt des Landtagsabgeordneten Willi Tilg als Obmann des freiheitlichen Gemeindevertreterverbandes, verbunden mit der Anregung, den Verband aufzulösen. Empört hatte Tilg eine Stellungnahme Eberharters zum Entwurf der neuen Gemeindeordnung (TGO). Eberharters Einwände seien "praxisfremd oder zu wenig weitgehend", kritisiert Tilg, außerdem hätte niemand mit ihm darüber gesprochen. Landesrat Konrad Streiter (ÖVP), der den TGO-Entwurf verantwortet, hatte am Donnerstag nicht ohne Häme erklärt, dass die FPÖ als einzige Partei innerhalb der Begutachtungsfrist keine Stellungnahme abgegeben hätte. Eberharters Kritik erklärt er sich durch "mangelnde Fach- und Sachkenntnis". Ex-FPÖ-Parteichef Johannes Lugger hat für die internen Querelen nur noch ein müdes Lächeln übrig. "Reden hätten sie schon miteinander sollen", ist ihm als einzige Anmerkung zur Auseinandersetzung Tilg contra Eberharter zu entlocken. Er habe sich aber auf die Sachpolitik zurückgezogen und wolle zur Befindlichkeit der Partei nichts mehr sagen. Im Oktober hatte Lugger gemeinsam mit seinem Nachfolger Franz Linser und der Mehrzahl der Mitglieder des Landtagsklubs Eberharter scharf wegen dessen Führungsschwäche und fehlender politischer Konturen kritisiert. Nach einer missglückten "Grundsatzerklärung" Eberharters im November wurden 29 Arbeitsgruppen eingesetzt, deren Zwischenergebnisse Anfang März vorliegen sollen. Für den 9. Juni ist ein Programmparteitag angesetzt, wobei Lugger ausschließt, dass daraus ein "Wahlparteitag" wird. Eberharter selbst erwartet einen Antrag auf seine Abwahl, will aber keinesfalls freiwillig gehen. (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.2.2001)