Zwei Jahre nach der als "Hochzeit im Himmel" hymnisch besungenen Fusion der beiden Automobilhersteller Daimler Benz und Chrysler ist der neu entstandene Konzern praktisch am Ende. Der Mann, der am lautesten "Globalisierung" und "Shareholder" gerufen hat, muss nun kleinlaut einräumen, dass bei dem Projekt doch einiges schief gelaufen ist. So schnell wird ein Traum zum Albtraum. Die Krise bei Chrysler und jene im Vorjahr mit Mitsubishi in Japan verwegen zugekaufte wird Konzernchef Jürgen Schrempp den Kopf kosten, wenn die radikalen Umstrukturierungsprogramme nicht bis 2003 greifen. Das, meinen Beobachter, wäre nicht weiter schlimm. Schrempp sei in dem Fall schließlich nur einer von 36.000 Mitarbeitern, die den Konzern bis dahin verlassen müssen. Schlimmer wiege die Tatsache, dass der Weltkonzern-Visionär die ehrwürdigste Automarke der Welt, Mercedes, in den Abgrund manövrieren könnte. Aus dem aggressiv angreifenden Kraftmeier ist binnen Jahresfrist ein Übernahmekandidat geworden, und die Sache ist mit Bekanntgabe der radikalen Restrukturierungspläne noch längst nicht ausgestanden. Auch die geschickte Darstellung der Zahlen kann nicht verschleiern, dass die Stuttgarter ihrer US-Tochter allein heuer mit rund fünfeinhalb Milliarden Euro unter die Arme greifen müssen. Das Globalisierungsexperiment DaimlerChrysler, egal, ob es nun endgültig scheitert oder nicht, macht aber auch eines deutlich: So unterschiedliche Unternehmenskulturen wie die deutsche, US-amerikanische, japanische und auch noch koreanische (Allianz mit Hyundai) lassen sich nicht so einfach unter einen Hut bringen, wie uns die Herren Branchenkaiser weismachen wollen. Die Paraphe unter dem Vertrag heißt noch nichts.