London - Nicht nur die bekannten Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) oder Methan heizen die Erdatmosphäre, auch "schwarzer Kohlenstoff" - vereinfacht: Ruß - tut das, und zwar in erheblichem Maß: Hinter CO ist Ruß das zweitstärkste "Treibhausgas". Das wurde lange übersehen, weil man "Aerosolen" - kleinen Schwebteilchen in der Luft - eher eine abkühlende Wirkung zusprach. Nach großen Vulkanausbrüchen wie dem des Pinatubo 1991 wurde es global kühler, und auch regional arbeitet die herkömmliche Luftverschmutzung der Erwärmung entgegen, weil sie Sonnenlicht reflektiert. Deshalb fällt die Erwärmung im industrialisierten Norden bisher geringer aus als im Süden mit seiner reineren Luft. Aber unter "herkömmlicher Luftverschmutzung" verstand man Schwefelverbindungen, die aus den Vulkanen und den Schornsteinen kommen und in der Tat - da sie hell sind - Licht reflektieren. Ruß hingegen, der in immer dichteren Schwaden vor allem über Asien aufsteigt - China und Indien verbrennen immer mehr Kohle -, ist schwarz und absorbiert die Energie des Sonnenlichts. Er ist nur sehr viel schwerer zu messen, erst 1999 etwa entdeckte man den "indischen Rauch", der die bis dahin geschätzte Gesamtmenge um ein Viertel erhöhte. Trotz der vielen Unbekannten zeigt die erste globale Abschätzung, dass Ruß ein enormes und wachsendes Klimaproblem ist, das zudem in den UN-Klimaschutzverträgen gar nicht vorkommt: Bringt das derzeitige CO eine Zusatzerwärmung von 1,56 Watt pro Quadratmeter, trägt Ruß 0,55 Watt bei, erst dann kommt Methan mit 0,47. Zwar ist Ruß kurzlebig und wäre beim Umstieg auf andere Energieträger rasch aus der Luft, aber solche stehen nicht bereit. Umgekehrt ist Ruß, anders als CO, auch noch giftig. (Nature, Vol. 409, S. 695) (jl) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.2.2001)