Gegen eine Männerabteilung im Frauenministerium ist nicht prinzipiell etwas einzuwenden. Schliesslich ist das andere Geschlecht auch immer die andere Seite der Medaille Mensch. Und es wäre auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Haupt’s Politik darin bestünde, die wahren Probleme der Frauen endlich anzugehen, beispielsweise den Männern partnerschaftliches Leben beizubringen. Nur davon ist die Rede nicht. Vielmehr beweist die Minister-Idee wieder einmal eines glasklar: Männer können nicht Fraueninteressen und Frauen nicht Männerinteressen vertreten. Denn jeder Mensch kann aufgrund der Selbsterfahrung nur die Befindlichkeit des eigenen Geschlechts wirklich begreifen, das des anderen bestenfalls erahnen.Und es sind in der Gesellschaft, in der wir leben, eben geschlechtsspezifische Probleme, wenn die Väter die Kinderbetreuung den Müttern überlassen und die Frauen damit finanziell von sich abhängig machen. Es sind eben geschlechtsspezifische Probleme, wenn die Fraueneinkommen nach wie vor mehr als ein Drittel niedriger sind als die Männereinkommen. Es sind eben geschlechtspezifische Probleme, wenn die Frauen so gut wie keine Chance auf jene Positionen haben, die Gestaltungsmöglichkeiten, hohes Prestige und Salär garantieren. Ausnahmen bestätigen die Regel. Natürlich haben auch Männer Probleme. Diese beziehen sich aber doch vorwiegend auf Individualfälle. Im Gegensatz zu den Problemen der Frauen, die gesellschaftlich-strukturell bedingt sind und deshalb das ganze Geschlecht treffen. Denn jene Frauen, die sich von gut situierten Männern ernähren lassen können, sind eine verschwindende Minderheit. Es ist die Chancen-Ungleichheit, die politische Gegenmassnahmen erfordert. Denn sie ist bislang wahrlich nicht geringer geworden. Die Doppel- und Dreifachbelastung von Frauen gehören ebenso nicht der Vergangenheit an wie der niedrigere Lohn bei gleicher Leistung in der Arbeitswelt. Fazit: Das Frauenministerium gehört in Frauenhand, dann kann der Sozialminister in seinem Ressort auch eine Männerabteilung einrichten. Dieser Kommentar erscheint auch in der "Steirischen Zeitung"