Berlin - Die Gefahr eines neuen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche (MKS) ist nach Ansicht des Virologen Hanns Ludwig von den britischen Behörden auf die leichte Schulter genommen worden. Ludwig warnte am Montag allerdings vor einer "Hysterie um die Seuche wie bei BSE". Angesichts der ungeklärten Übertragungswege des BSE- Erregers und des nicht ausreichenden Forschungsstandes zu möglichen Risiken auch für den Menschen sei bei BSE "mit Recht ständig Hosenflattern" angebracht, sagte Ludwig, Professor für Virologie an der Freien Universität Berlin. "BSE kann man nicht ohne weiteres in Griff bekommen", sagte Ludwig. Die Maul- und Klauenseuche könne aber erfolgreich bekämpft werden. Menschen müssten keine Angst vor einer Übertragung des Virus haben. In Deutschland seien die veterinärpolizeilichen Vorschriften außerdem strenger als in Großbritannien, sagte Ludwig. "In England ist die Gefahr wohl nicht ernst genug genommen worden." In Deutschland würden die Tiere bereits im Stall bei einer Lebendschau auf Seuchen untersucht. In England sei das offensichtlich nicht der Fall gewesen. Ludwig schloss nicht aus, dass in Großbritannien "viel verschwiegen" und nicht jedes befallene Tier umgehend gemeldet worden sei. "Das heißt, die Ausbreitung der Seuche geht jetzt in Kanäle, wo man nicht so recht weiß, wie man sie eingrenzen soll." Hohe Widerstandsfähigkeit des Virus Ludwig warnte vor der Zähigkeit des MKS-Virus. "Das Virus hat eine ganz hohe Widerstandsfähigkeit." Es könne an Müll, Dünger, Kleidung und Gülle haften bleiben und darüber weiter verbreitet werden. Aus Großbritannien importierte Tiere müssten unter strenge Quarantäne in Isolierstallungen gestellt oder aber - wie jetzt in Nordrhein- Westfalen und den Niederlanden der Fall - vorsorglich getötet werden. Auf jeden Fall müssten die Menschen, die in Ställen mit verdächtigen Tieren arbeiteten, desinfiziert werden. Es dürfe keine Gülle und keinerlei Material aus den Betrieben herausgelangen. Veterinär-Informationen über MKS seien in den vergangenen Jahren kaum noch verbreitet worden, sagte Ludwig. Es gebe auf diesem Gebiet nur noch wenige Experten. "Durch BSE ist man jetzt auch bei MKS hellhörig geworden, und das ist gut so." (APA/dpa)