Wien - Die Reserven des europäischen Zentralbanksystems erreichten ein Vielfaches der US-Notenbank Fed - "da gibt es Spielraum", sagte Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) am Dienstag zur APA. Im Zusammenhang mit der künftigen Reserve- und Rücklagenpolitik auch der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) will er nun zunächst eine Diskussion über die Hauptaufgaben von Zentralbanken - auch auf europäischer Ebene. Seiner Meinung nach liegen die Notenbank-Aufgaben "nicht in der Tätigkeit als Investment- oder Immobilienfonds". In einem "Format"-Interview hatte der Finanzminister kürzlich erklärt, in der Oesterreichischen Nationalbank gebe es Rücklagen und Währungsreserven im Volumen von 60 bis 100 Mrd. S, die nicht mehr gebraucht würden und mit denen man "entweder Auslandsschulden der Republik abbauen" oder eine Bildungsstiftung einrichten könnte. Reserven Über die Höhe möglicher Abschöpfungen nicht benötigter Reserven und über Verwendungszwecke äußerte sich Grasser heute nicht weiter. Ihm schwebe jedoch beispielsweise vor, mit frei werdenden Zentralbankreserven einen Forschungs- und Entwicklungsfonds zu speisen, aus dessen Erträgen (Zinsen) dann F+E-Projekte finanziert werden könnten. Zweitgrößter OeNB-Einzelaktionär nach der Republik Österreich ist nach heutigen Organbeschlüssen künftig die BAWAG: Einstimmig hat heute, Dienstag, eine außerordentliche Generalversammlung der OeNB den Übertrag von OeNB-Aktien der Österreichischen Postsparkasse (P.S.K.) an die neue Mutter Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG) abgesegnet. Demnach übernimmt die BAWAG das 8,33-prozentige OeNB-Aktienpaket der Postsparkasse. Die BAWAG hielt bisher selber 3,60 Prozent an der OeNB. Wie es dazu aus beiden Banken gegenüber der APA hieß, werden im Zuge der P.S.K.-Integration in die BAWAG-Gruppe auch Beteiligungen neu geordnet. Die OeNB-Aktien werden nun bei der neuen Mutter "gebündelt". (APA)