Das Wissen der Welt soll für alle frei zugänglich sein. Diesen Grundsatz verfolgen mehrere Internet-Projekte, die fast 250 Jahre nach der ersten Enzyklopädie der Aufklärung ein umfassendes Online-Lexikon erstellen wollen. Sie orientieren sich dabei an der Bewegung für freie Software (FSF) und offene Quelltexte ("Open Source"), die auch das Betriebssystem Linux hervorgebracht hat. Konkurrenz zu urheberrechtlich geschützten Lexikas Richard Stallman, der Vater des GNU-Projekts für freie Software, hat jetzt zur Mitarbeit an GNUPedia aufgerufen - diese "freie Universalenzyklopädie im Internet" soll den urheberrechtlich geschützten Lexika der großen Verlage ein offenes Gegenmodell entgegensetzen. Die drei Buchstaben GNU stehen für "GNU's Not Unix". Erfunden hat diese Wortspielerei mit dem Großrechner-Betriebssystem Unix der Programmierer Stallman im Jahr 1984. Damals bahnte sich in der Computerbranche ein gravierender Umbruch an: Weg von der freien, unter den Entwicklern und "Hackern" an Unis und staatlichen Institutionen getauschten Software, die verändert und umgeschrieben werden durfte, hin zur kommerziellen Software, die der Käufer weder verändern noch weitergeben durfte. Frei les- und kopierbar "Wir können Unternehmen nicht daran hindern, Informationen zu beschränken, die sie zugänglich machen", schrieb Stallman in seinem Aufruf. "Was wir aber tun können, ist, eine Alternative zu schaffen." Zur Mitarbeit eingeladen sind alle, die einen Beitrag dazu leisten möchten, besonders Akademiker, Lehrer und Studenten. Zur Sicherung der Qualität sollen alle Artikel im gegenseitigen Austausch begutachtet oder durch ausgewiesene Zertifizierungsstellen beglaubigt werden. Dabei ist es durchaus vorgesehen, dass auch unterschiedliche Beiträge oder Meinungen zu einem Thema unzensiert nebeneinander stehen. Weiterhin soll die Enzyklopädie keinerlei Zugangsbeschränkungen und auch keiner zentralen Verwaltung unterliegen. Die Artikel der Enzyklopädie sollen frei zitiert und ohne Einschränkung auf anderen Web-Seiten kopiert werden dürfen - jedoch immer mit einem entsprechenden Herkunftsnachweis versehen. Eine Zentralisierung passt nicht zum Geist des World Wide Web Natürlich ist das Ganze ein Mammutprojekt. GNUPedia soll Beiträge zu jedem denkbaren Wissensgebiet und bis ins kleinste Detail erhalten. Als Beispiel nennt Stallman Artikel über jede einzelne Vogelart, natürlich bebildert und mit Tonaufnahmen versehen. Andere Beiträge sollen auch Programme enthalten - etwa zur Simulation chemischer Prozesse. Allerdings sollen nur solche Programme aufgenommen werden, die den Kriterien der Bewegung für freie Software entsprechen. Ansonsten setzt man auf die dezentrale Arbeit von tausenden Autoren. "Keine einzelne Organisation wird verantwortlich sein", heißt es in Stallmans Aufruf. Denn eine solche Zentralisierung passe nun einmal nicht zum Geist des World Wide Web. (APA)