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München/Wien - Not macht bekanntlich erfinderisch: Während die deutsche Kultusminister-Konferenz in der vergangenen Woche eine breit angelegte Werbekampagne beschloss, um mehr Lehrer-Studenten zu gewinnen, ist Bayern bereits einen Schritt weiter. Die dortige Schulministerin Monika Hohlmeier (CSU) holt sich fehlende Hauptschullehrer aus dem Nachbarland. Sie will 100 bis 200 Pädagogen aus Österreich einstellen, um den vom übernächsten Jahr an drohenden Lehrermangel auszugleichen. Der bayerische Sonderweg stieß bei Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) auf Zustimmung - doch in Bayern erzürnt er die gesamte Lehrerschaft. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer, der Hauptschullehrer Hans Rottbauer, fühlt sich "verraten". Der Vorsitzende der Bayerischen Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Georg Wiesmaier, findet die Pläne "vollkommen absurd". Nach den Worten des schulpolitischen Sprechers der bayerischen SPD-Fraktion ist es nach dem Stellen-Abbau an den Schulen in den 90er Jahren die "zweite Ohrfeige für die Lehrer". "In Bayern sind 7.000 Lehrer arbeitslos", sagt Junglehrer-Sprecher Rottbauer. "Da ist es der pure Hohn, wenn jetzt Österreicher eingestellt werden." Gewerkschaften, Lehrerverbände und SPD fordern deshalb: Arbeitslose Grundschullehrer sollen sich mit einem zweisemestrigen Studium weiter qualifizieren können. Der Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Albin Dannhäuser, plädiert dafür, Hauptschullehrern mit einer bisher befristeten Anstellung oder einem Teilzeitvertrag dann Voll-Stellen anzubieten. "Die Gewerkschaften haben keine Ahnung", kontert Ministerin Hohlmeier und fühlt sich missverstanden. Der Plan, Österreicher anzustellen, sei nur eine Möglichkeit von vielen. Vorher würden alle anderen Varianten ausgeschöpft. Fakt ist: In den Jahren 2003 bis 2005 fehlen in Bayern jährlich 350 Hauptschullehrer. "Wir können diese Lücke nicht mit Hauptschullehrern aus Bayern schließen", sagt Hohlmeier. "Wir sollten die Grenze für Lehrer öffnen." Die Diskussion über einen solchen Schritt wirft grundsätzliche Fragen der Lehrer-Ausbildung auf. Lehrerverbands-Chef Dannhäuser hält die Lehrerlücke für ein "Eigengewächs der Staatsregierung", weil der bevorstehende Mangel längst bekannt sei. Er fordert einen Zehn-Jahres-Plan zur "Rekrutierung" von Lehrern und will Abiturienten besser über die erforderliche Zahl von Nachwuchslehrern informieren. Außerdem sollten Lehrer nicht für einzelne Schulformen wie Realschule oder Gymnasium ausgebildet werden, sondern wie in anderen Bundesländern für Unter-, Mittel- oder Oberstufe. "Unter keinen Umständen" will die CSU-Ministerin sich den SPD-regierten deutschen Bundesländern in der Lehrer-Ausbildung anschließen. Die Schularten seien zu unterschiedlich und Lehrer "nun mal keine Tausendsassas". Diese Hartnäckigkeit stößt beim Vorsitzenden der österreichischen Pflichtschullehrergewerkschaft, Hermann Helm, auf helle Freude: "Das ist für uns nur positiv." Er glaubt, dass Bayern sich auf einen Ansturm österreichischer Lehrer einstellen muss. Hohlmeier schließt sich der Einschätzung an: Gerade Lehrer in grenznahen Gebieten interessierten sich für Bayern. Es solle aber nicht zu Massen-Einstellungen österreichischer Lehrer kommen. "Deshalb ist es peinlich, wenn die Gewerkschaften zu einem Nachbarland so feindlich eingestellt sind." (APA/dpa)