Im Kampf um die Vorherrschaft in der Formel Eins droht ein Showdown zwischen den beteiligten Autoherstellern und der Münchner Kirch-Gruppe. "Wenn Kirch wirklich 75 Prozent übernimmt, bedeutet dies das Ende der Formel Eins", sagte Daimler-Chrysler-Autochef Jürgen Hubbert am Dienstag beim Autosalon in Genf. "Wir wollen nichts mit Kirch zu tun haben." Stattdessen wollten DaimlerChrysler, Renault, Ford, Fiat und BMW selbst ein Drittel der Anteile an der Formel-Eins-Gesellschaft SLEC übernehmen. Damit reagieren die Firmen auf den Mitte Februar verkündeten Einstieg Kirchs beim Rechtehalter EM.TV. Darauf angesprochen sagte Hubbert, er sei "mit der Situation sehr unzufrieden". "Wir wollen ein Drittel an der Formel Eins", sagte Hubbert. Darüber solle mit Formel-Eins-Chef Bernie Ecclestone gesprochen werden. Dieser hält derzeit noch 50 Prozent an der SLEC. Die andere Hälfe liegt bei EM.TV. Das angeschlagene Münchner Medienunternehmen hatte Mitte Februar die KirchGruppe als Geldgeber mit ins Boot geholt. Dadurch sicherte sich Kirch 49 Prozent der bei EM.TV liegenden Formel-Eins-Rechte - also knapp 25 Prozent an SLEC. Zudem stellt Kirch eine Mrd. Dollar (1,098 Mrd. Euro/15,1 Mrd. S) bereit, damit EM.TV eine Option auf weitere 25 Prozent an SLEC wahrnehmen kann. Beide Unternehmen zusammen hätten damit 75 Prozent an der Formel Eins. Königsklasse Dadurch würde die KirchGruppe, die bereits milliardenschwere Fußball-Senderechte für die Weltmeisterschaften, Bundesliga und Champions League besitzt, künftig auch die Königsklasse im Auto-Rennsport steuern. Offenbar will sie damit ihren noch immer kränkelnden Pay-TV-Fernsehen Premiere World stärken, was Ecclestone und den Autobauern missfällt. Vor Hubbert hatte bereits Renault-Sport-Chef Patrick Faure Widerstand angekündigt: "Es kommt für uns absolut nicht in Frage, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, die nur im Bezahlfernsehen gezeigt wird." Auch Ecclestone wehrt sich gegen die Machtübernahme durch Kirch, er drohte bereits mit einem Veto. Seinen Angaben zufolge ist in den Firmenstatuten eindeutig festgelegt, dass kein Fernsehsender als Eigentümer ins Formel-Eins-Geschäft einsteigen dürfe. Die Autobauer drängen schon länger auf größeres Mitspracherecht in der Formel Eins, in die sie jährlich Milliarden-Summen pumpen: DaimlerChrysler beispielsweise in Mercedes-McLaren und Fiat in Ferrari. (APA)