Jena - Physikern der Jenaer Universität ist es gelungen, die Oberfläche eines Kristalls ohne Hitzeeinwirkung allein durch die elektromagnetische Energie eines extrem schnellen Lasers zu schmelzen. Wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte, wurde unter dem Laserstrahl eine weniger als ein Tausendstel Millimeter dicke Schicht des Kristalls geschmolzen, bevor sie sich erhitzen konnte. Bisher habe man nicht eindeutig gewusst, ob es überhaupt eine Schmelze geben können, die nicht durch Temperaturerhöhung verursacht werde, sagte der Leiter der Forschungsgruppe Röntgenoptik, Eckhart Förster. Den Angaben zufolge arbeitet das Team seit 15 Jahren mit Lasern, die kurze Impulse aussenden. Inzwischen hätten sich die Physiker bis zu Pulsdauern von 100 bis 200 Femtosekunden "heruntergearbeitet" - diese Zeit sei kürzer als der Billionste Teil einer Sekunde. Dass ein so kurzer Impuls bereits ausgereicht habe, um die Atome an der Kristalloberfläche in Bewegung und damit die Oberfläche zum Schmelzen zu bringen, habe selbst die Experten überrascht. "Wir erreichen kürzere Impulszeiten als Großforschungseinrichtungen", sagte Förster, "damit bestimmen wir die Weltspitze." Den Angaben zufolge verwendeten die Wissenschaftler für ihr Experiment einen Quarzkristall, aus dem sie in mühevoller Handarbeit einen maßgeschneiderten Röntgenspiegel angefertigt hatten. Dazu brachten sie eine 0,07 Millimeter dünne Scheibe des Kristalls auf einen gebogenen Träger aus Messing auf. "Wir sind weltweit die einzige Gruppe, die solche Kristall-Werkstücke mit der erforderlichen Präzision herstellen kann", sagte Förster. (APA/AP)