Graz - Der Rat und das Vorbild der Väter ist für Maturantinnen die stärkste Motivationsquelle, wenn es um die Wahl des Studiums geht - zumindest was technische Studienrichtungen anbelangt. Zu diesem Schluss kam eine Erhebung an Studierenden der Technischen Universität Graz. Demnach gaben 86 Prozent der Studienanfängerinnen an, die Wahl des Studiums mit ihren Vätern diskutiert und sich zu 60 Prozent an deren Ratschläge gehalten zu haben. Im Vergleich dazu haben 82 Prozent der männlichen Studenten Rat bei den Vätern gesucht und zu 52 Prozent auch gefunden. Was bringt Maturantinnen dazu, ein nach wie vor stark männlich dominiertes Technikstudium zu beginnen? Dieser Frage ging die bulgarische Psychologin Radostina Anguelova am Interdisziplinären Kolleg für Wissenschafts- und Technikforschung in Graz nach. Studentinnen vorwiegend aus dem AHS-Bereich Berufsbildende höhere Schulen haben nur eine schwache Vermittlerfunktion zwischen jungen Studentinnen und der Technischen Universität: Als Vorbildung zum Studium haben nur rund 23 Prozent der jungen Frauen eine BHS wie zum Beispiel eine HTL besucht. Der überwiegende Teil kommt aus dem AHS-Bereich an die TU. Unter den männlichen Studienkollegen sieht das Bild anders aus: Hier sind knapp die Hälfte der Studierenden BHS-Absolventen. Rat und Information zur Studienwahl suchen die jungen MaturantInnen zum Großteil bei ihren Vätern. Auf die Frage, mit wem sie sich beraten hätten, gaben immerhin 86 Prozent der Frauen und 82 Prozent der Männer an, speziell mit ihren Vätern über ihre universitäre Zukunft diskutiert zu haben. Als Hauptinformationsquelle über konkrete technische Berufe gaben noch immer 76 Prozent der Studentinnen und 30 Prozent der Studenten ihre Eltern an. An weiteren Stellen rangieren LehrerInnen, Schnupperprogramme und FreundInnen. Vorbildhaft wirken die Väter Dabei scheint auch die technische Vorbildung der Väter (29,72 Prozent unter den Studentinnen) inspirierend auf die Maturantinnen zu wirken, so Anguelova. Als konkrete Gründe für ihre Wahl gaben sowohl die befragten Männer als auch die Frauen drei gleich lautende zentrale Punkte an: Interesse am Gebiet, Jobaussichten und der erwartete soziale Status samt der finanziellen Möglichkeiten. Öffentliche Aktivitäten und Programme, die MaturantInnen ein Technikstudium schmackhaft machen sollen, werden von den MittelschulabsolventInnen nur zum Teil wahrgenommen: Nur 44 Prozent der Befragten kannten solche Programme. Der ersten Begeisterung und Motivation folgt schon innerhalb des ersten Jahres der erste Dämpfer: 27 Prozent der Studentinnen denken daran, die Studienrichtung zu ändern. Wiederum 17 Prozent davon wollen die technische Studienrichtung beibehalten, der überwiegende Teil tendiert in Richtung Geisteswissenschaften und hier vor allem in das Gebiet der Psychologie, der Sprachen und der Kunst. (APA) Die Studie "Reasons for and Factors of Motivation to Choose Engineering as a Profession" von Radostina Anguelova liegt im Interuniversitären Forschungszentrum in Graz auf.