Wien - 900.000 Menschen müssen in Österreich von einem Pro-Kopf-Einkommen unter 8600 Schilling leben - und gelten damit als armutsgefährdet. Davon sind 330.000 Personen oder vier Prozent der Wohnbevölkerung von akuter Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Besonders hoch ist das Armutsrisiko bei Langzeitarbeitslosen, Migrantenhaushalten, Alleinerzieherinnen und Familien mit mehr als drei Kindern. "Im ersten Regierungsjahr von VP und FP hat sich die Situation der Armen in vielen Bereichen verschlechtert", kritisierte Diakonie-Direktor Michael Chalupka Mittwoch bei der Präsentation des von der "Armutskonferenz" erarbeiteten Aktionsplans gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Das Netzwerk von 25 Sozialorganisationen legte damit einen eigenen Armutsplan vor, zu dem sich die Regierung beim EU-Gipfel in Nizza ebenfalls verpflichtet hat. Armutsbekämpfung soll demnach in allen Ländern politische Priorität bekommen. Jetzt fordert die Armutskonferenz von der Regierung die Rücknahme jener Maßnahmen, die Armut verstärken - konkret die Kürzung bei der Notstandshilfe und beim Arbeitslosengeld (Streichung der Familienzuschläge). Der Generalsekretär der Caritas, Stefan Wallner-Ewald, sprach sich für ein Bundesgrundsatzgesetz zur Sozialhilfe aus, das existenzsichernde Unterstützung garantieren soll. Das Sozialsystem müsse modernisiert und "armutsfest" gemacht werden. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 1. 3. 2001)