Wien - Ist Frauenförderung Zensur? Wie frauenfeindlich ist die derzeitige Förderpolitik? Wie rechtswidrig ist die Männerquote? Diese Fragen standen am Beginn eines Pressegesprächs unter dem Motto "Frauen fördern! Fordern Frauen" am Freitag im Kosmos Frauen Raum in Wien. Auf dem Podium saßen die KPÖ-Frauenvorsitzende Heidi Ambrosch, die LIF-Bereichssprecherin Frauen Katharina Fanninger, die Grüne Nationalratsabgeordnete Madeleine Petrovic, SPÖ-Kultursprecher Ernst Woller, die Politikwissenschafterin Monika Mokre und die amerikanische Posaunistin Abbie Conant. 30 Prozent der österreichischen AbsolventInnen von Instrumentalstudien sind weiblich, aber nur ein Prozent der Mitglieder der Wiener Philharmoniker und drei Prozent der Wiener Symphoniker. 50 Prozent der AbsolventInnen von österreichischen Kunstuniversitäten, aber nur acht Prozent ihres Lehrpersonals sind weiblich. Und von den künstlerischen Leitungspositionen sind bei den Bundestheatern überhaupt keine, bei den Stadt- und Landestheatern 13 Prozent, den Wiener Groß- und Mittelbühnen 33 und den Freien Gruppen in Österreich 45 Prozent von Frauen besetzt. Prestige Das sind Ergebnisse einer Studie über "Frauen in Kultur- und Medienberufen in Österreich" von Monika Mokre, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle für institutionellen Wandel und europäische Integration (IWE) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Je prestigeträchtiger und finanziell lukrativer die Positionen, desto seltener seien sie von Frauen besetzt, so Mokre. Frauen fänden sich vorwiegend in traditionell "weiblichen" Bereichen wie der Pädagogik und dem Kinder/Jugend-Bereich. Grund für die augenscheinlichen Diskrepanzen ist aber weniger die Gesetzeslage, so Mokre, als deren Umsetzung. Die Gleichbehandlungsgesetze gebe es ja bereits seit Ende der 70er Jahre, die Frauenförderungspläne zur Erreichung einer 40-prozentigen Frauenquote gälten allerdings nur für der Bundesverwaltung zugeordnete Bereiche. Die Gesetze sollten auf alle Bereiche ausgeweitet werden, fordert Mokre. "Das ist keine Zensur oder Einschränkung der Freiheit der Kunst. Die Kunst ist ohnehin unfrei, weil sie von öffentlicher Finanzierung abhängig ist." Ein anschauliches Beispiel, wenn auch aus dem benachbarten Bayern, für den Kampf gegen ein männerdominiertes Kultursystem lieferte Abbie Conant, die 1980 in einem Probespiel der Münchner Philharmoniker 32 männliche Kollegen "besiegt" hatte. Dem erst zweiten Probespiel der Münchner Philharmoniker hinter einem Vorhang ist seither kein weiteres gefolgt. Als der Dirigent Sergiu Celibidache Conant nach einem Jahr ausdrücklich wegen ihres Geschlechts auf die zweite Posaune zurückstufte, ging die Musikerin vor Gericht und focht einen elfjährigen Arbeitsprozess aus, den sie schließlich gewann. Trotzdem wurde sie, ohne es zu wissen, in eine niedrigere Gehaltsklasse gestuft als alle männlichen Solo-Kollegen. Morak gegen Quoten Hierorts entzündet sich die Orchesterdiskussion bekanntlich immer wieder vor allem an den Wiener Philharmonikern bzw. dem Staatsopernorchester und den Wiener Symphonikern. "Ich bin gegen jede Form von Quoten", hatte Kunststaatssekretär Franz Morak (V) zu diesem Thema gesagt und die Philharmoniker als "einen dieser Glücksfälle einer orchestralen Selbstverwaltung" bezeichnet. Bürgermeister Michael Häupl (S) hatte in einem Interview den "Versuch, über Subventionen kulturelle Zensur auszuüben", kritisiert, und auch für Kulturstadtrat Peter Marboe (V) hat "Subventionsdruck" nichts in der Kulturpolitik zu suchen. Ins selbe Horn blies Ernst Woller (S). Eine verpflichtende Quotierung unabhängiger Kulturinstitutionen sei "unmöglich", man wolle aber die Zugangsmöglichkeiten von Frauen verbessern. Dazu soll eine Frauenbeauftragte bei Förderungen ernannt werden, Frauen sollten paritätisch in Beiräten und Kuratorien vertreten sein und bei Juryentscheidungen und in der Ankaufspolitik vorrangig behandelt werden. Heiterkeit erregten der Vorschlag, Frauen auch bei Straßen- und Platzbenennungen sowie bei Ehrungen vermehrt zu berücksichtigen, der Hinweis, die Galerienszene - also ein privatwirtschaftlicher Bereich - sei ohnehin von Frauen dominiert und seine Frage, warum sich bei dem überproportionalen Anteil von Studienabsolventinnen nur so wenige Musikerinnen überhaupt bei den - übrigens mit 145 Millionen Schilling von der Stadt subventionierten - Symphonikern bewerben. Unterschrift "In der Wirtschaftsförderung muss jeder Betrieb unterschreiben, dass er sich an die Gesetze hält", konterte Madeleine Petrovic (G), "warum nicht auch in der Kultur?". Auch nach der erfolgten Ausgliederung ist das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz ja "sinngemäß" auf die Arbeitnehmer und -nehmerinnen der Staatsoper anzuwenden. Quoten seien "unverzichtbar", aber nicht ausreichend, so Petrovic. Die Förderkriterien sollten transparent gemacht, der Quotierung entsprechende Richtlinien ausgegeben und bei Nichteinhaltung die Förderungen gestrichen werden. Im Sinne einer symbolischen Politik forderte sie die Besetzung von Schlüsselpositionen mit Frauen. Sie pflichtete der aus dem Publikum geäußerten Forderung eines Probespiels hinter Vorhang bis zur Endrunde bei, die, so Conant, "sehr schnell die Verhältnisse ändern würde". Die Öffentlichmachung aller Förderrichtlinien und -ansuchen verlangt auch Katharina Fanninger (LIF). Die EU-Richtlinien zum Gender-Mainstreaming seien im übrigen in Österreich weder in Gesetze gegossen noch offensichtlich durchgehend verstanden worden, kritisierte Fanninger. Man solle entsprechende Modelle etwa aus Skandinavien übernehmen. Sie forderte weiters eine Umschichtung im Subventionshaushalt weg von männerdominierten Prestigeprojekten zu Gunsten kleinerer innovativer Initiativen. "Warum sollen die Salzburger Festspiele nicht aus dem Wirtschaftsministerium gefördert werden und der entsprechende Kulturbetrag für Frauenprojekte verwendet werden?" Am weitesten gehen die Forderungen von Heidi Ambrosch (KPÖ). "Wenn Kunst der Ausdruck einer subjektiven Wahrnehmung der Welt ist und Frauen mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellen, ist die Quote ein Muss. Die Quotenregelung schafft nicht Zensur, sondern wirkt der bestehenden entgegen. Es soll ein Männerministerium geben, dafür alle andere Ministerien in Frauenhand!" (APA)