Wien - Der verstärkte Einsatz von Frauen könnte das Problem knapper Fachkräfte entschärfen, vor allem bei der Informationstechnologie. Davon ist Lorenz Fritz, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) überzeugt. Das glauben auch 57 Prozent jener 80 Industriebetriebe, die den Fragebogen ausgefüllten, den die IV an insgesamt 970 Betriebe ausgeschickt hatte. Mehr Frauen in technische Schulen zu schicken und in Technikberufen auszubilden, allein genügt nicht. "Wir müssen uns fragen, wie attraktiv die Industrie für Frauen ist", zeigt Franz Rottmeyer, Generaldirektor von Opel Austria und neu bestellter Aufsichtsratschef der ÖBB in einer gemeinsamen Pressekonferenz ein Problem auf. Reine Machos Opel hat sehr gute praktische Erfahrungen mit Frauen gemacht, etwa mit weiblichen Lehrlingen: "Wenn sie diesen Beruf ergreifen, sind sie mit Abstand die Besten." Sein Tipp, um mehr Frauen in die Produktion - "einem reinen Machobetrieb" - zu bekommen: "Nicht die Frauen müssen sich ändern, sondern die Einstellung der Männer." Männer könnten sich Frauen in technischen Berufen oft einfach nicht vorstellen. Bei Opel Austria gehört Brigitte Kroll-Thaller als Chefin des Vertriebs zum Topmanagement. "Eine breite Basis, Durchsetzungsvermögen und Spaß an der Arbeit", hätten ihr geholfen, sich in dieser "Männerwelt" durchzusetzen. Spezielle Aktionen zur Förderung von Frauen gibt es bei Opel nicht. "Nur die Leistung zählt, nicht das Geschlecht." Opel gewann vor vier Jahren als frauen- und familienfreundlichster Betrieb Wiens den "Gläsernen Schuh". Ein Phänomen hat Rottmeyer beobachtet. "Wo Frauen in Toppositionen aufgerückt sind, kommen Frauen nach." Von der IV wünscht er sich eine Anlaufstelle, wo sich exzellent ausgebildete Frauen und nachfragende Betriebe treffen könnten. Die IV startet gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) und dem Bildungsministerium eine Informationsinitiative mit dem Ziel, dass der Anteil der Frauen in technischen Berufen in einigen Jahren "deutlich höher" ist. Das gelte auch in der IV selber, in der derzeit keine einzige Frau eine Topposition innehat. Von Quoten hält die Vereinigung nichts. "Es gibt schon einige Mitarbeiterinnen, die einen Marschallstab im Tornister haben." In der IV werde nicht nach dem Geschlecht differenziert, versichert Fritz. Nachforschen will er jedenfalls bei jenen 35 Prozent der Befragten, die durch mehr Frauen das Fachkräfteproblem nicht gelöst sehen. Eines ist sich Fritz aber sicher: Auch in zwei Jahren werden hierzulande noch IT-Fachkräfte fehlen. (lyn, DER STANDARD, Printausgabe 6.3.2001)