So mancher Polizeibeamter, der darauf achtet, dass die Bürger brav die Buchstaben des Gesetzes einhalten, buchstabiert dieses Alphabet für sich ein wenig anders. Wer das Gesetz vertritt, braucht sich selbst nicht ganz so penibel daran halten - ein Irrglaube bei gar nicht so wenigen Beamten. Das wurde auch im Zuge des Spitzelskandals deutlich. Das polizeiliche Computersystem EKIS wurde auch zur Befriedigung eigener oder politischer Bedürfnisse zurate gezogen. Nach jetzigem Stand des Verfahrens bleiben vorläufig acht Beamte über, die sich wegen rechtswidriger Abfragen von Daten und deren Weitergabe möglicherweise vor Gericht verantworten müssen. Obwohl logisch erscheint, dass zu Ausführenden auch dementsprechend Anstiftende gehören, ermittelt die Staatsanwaltschaft in Wien nur noch gegen zwei Politiker, die Anweisungen an folgsame Gefolgsleute bei der Polizei gegeben haben sollen. So bleiben letztendlich diejenigen über, die das Risiko der gemeinsamen Tat getragen haben, während die Profiteure der illegalen Informationsgewinnung im Dunkeln bleiben. Die meisten Beamten, die ohne dienstliche Notwendigkeit Einblick in vertrauliche Daten nahmen, taten dies aber ohne Auftrag und politischen Hintergrund, sondern aus persönlichem Interesse - oder Langeweile im Nachtdienst. Ein erster Schritt zum Abbau dieses Missbrauchs war dessen Auffliegen. Die Zahl der Abfragen ist seitdem fast um eine halbe Million zurückgegangen. Innenminister Ernst Strasser hat erkannt, dass in Zukunft auch eine Verstärkung der Stichproben nicht ausreichen wird. Das gesamte, ohnedies überalterte Computersystem muss ersetzt werden - mit präzisen Zugriffsmöglichkeiten und systematisierter Kontrolle. Damit die Versuchung nach dem Motto "Schau ma' einmal" möglichst gering bleibt. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 6. 3. 2001)