Santee/Kalifornien - Einen Tag nach dem Amoklauf, den ein 15-jähriger in einer kalifornischen High School anrichtete, herrschte in den USA Fassungslosigkeit und Rätselraten über das Motiv. Der Bursch hatte am Montag in Santee, einem Vorort von San Diego, mit einem Lächeln auf den Lippen wahllos das Feuer auf Schulkameraden, Lehrer und Aufsichtspersonal eröffnet. Zwei 14 und 15 Jahre alte Teenager starben, 13 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Geplant Am vorausgegangenen Wochenende hatte der schmächtige Schüler mit blassem "Babygesicht" mindestens zwei Dutzend Freunden und Bekannten von seinen blutigen Plänen erzählt - aber niemand nahm ihn ernst. So kam es zur schlimmsten Schießerei in einer Schule seit dem Massenmord von Littleton (US-Bundesstaat Colorado) vor knapp zwei Jahren, als zwei Jugendliche 13 Menschen erschossen und Selbstmord begingen. Die Anklage Der junge Schütze von Kalifornien soll am Mittwoch wegen Mordes und Angriffs mit einer tödlichen Waffe angeklagt und vor Gericht wie ein Erwachsener behandelt werden. Der Schauplatz des Amoklaufs, die Santana High School in Santee, blieb am Dienstag geschlossen. Zahlreiche Schüler wurden von psychologischen Beratern betreut. In der 58.000-Seelen-Stadt fanden sich geschockte und trauernde Bürger zum Gebet zusammen. Immer wieder gab es die Frage nach dem "Warum". Manche quälten sich mit Selbstvorwürfen, weil sie die Ankündigungen des Täters als Scherz abgetan hatten. Waffen sichergestellt Inzwischen wurde bekannt, dass der Täter Charles Andrew Williams heißt. Er war erst vor einem Jahr mit seinem Vater aus dem Bundesstaat Maryland übergesiedelt. Im Haus, in dem die beiden lebten, stellte die Polizei inzwischen sieben Gewehre sicher. Freunde schilderten nach der Tat, dass der Bursch wegen seiner "Dürrheit" und Blässe oft gehänselt worden sei. Manche hätten ihn für unterentwickelt gehalten und ihn einen "Deppen" genannt. "Aber eigentlich hat es nie ein Anzeichen dafür gegeben, dass ihn das sehr gestört hat", meinte der 17-jährige Andrew Kaforey. "Andy" habe meistens fröhlich gewirkt. "Er schien ganz in Ordnung zu sein." Niemand glaubte ihm Andere Freunde registrierten jedoch eines: Vielleicht weil er so schmächtig war, nahm der Bursch nach ihren Schilderungen seinen Mund stets voll und prahlte oft. "Einmal wollte er angeblich ein Auto stehlen und dann nach Mexiko abhauen", erzählte etwa der 16-jährige Chris Puttbrese. "Aber nichts ist daraus geworden. Und so habe ich ihm auch nicht geglaubt, als er sagte, er werde mit einer Waffe in die Schule kommen und losballern." Die Tat Die Waffe, einen 22-Kaliber-Revolver, brachte Andrew in einem Rucksack ins Schulgebäude. In einem Toilettenraum lud er die Waffe und begann auf andere Burschen in seiner Nähe zu schießen. Dann ging er auf den Flur und feuerte weiter -"und immer mit einem kalten Lächeln", sagten Augenzeugen. Insgesamt 30 Schuss gab der Bursch ab, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Dann zog er sich wieder in den Toilettenraum zurück. Dort ergab er sich, in einer Ecke hockend, widerstandslos der Polizei. "Ich hab's allein getan", sagte er, bevor er abgeführt wurde. Auf den Bildschirmen sahen die Amerikaner Bilder, die an die Tragödie von Littleton erinnerten. Hunderte Schüler, die in Panik aus dem Gebäude gerannt waren, standen mit entsetzten und fassungslosen Gesichtern in Gruppen zusammen, andere weinten hemmungslos. Auf Tragen wurden die Verletzten zu den Krankenwagen gebracht, darunter eine Schulaufsichtsperson und ein Wachmann, der in den Rücken getroffen worden war. Ein Verletzter wurde per Hubschrauber in eine Klinik transportiert - man konnte ihm nicht mehr helfen. Im Toilettenraum und im Flur blieben Blutspuren zurück. Draußen am Schulzaun häuften sich rasch die Blumensträuße - Mitschüler brachten sie im Gedenken an die Opfer. Andrew selbst redete bei den Einvernahmen viel, schilderte ein Sheriff. "Aber warum er schoss, darauf gab es keine Antwort."(APA/AP)