Wien - Herbert Koch bittet um Verständnis. Aber seine Wohnung ist tabu. Für eine Homestory stehe er nicht zur Verfügung. Auch - oder gerade weil - andere Unternehmer, die auf den Dächern ihrer Handelshäuser wohnen, weniger Skrupel haben und alle Welt bis ins Schlafzimmer schauen lassen. Koch ist halt kein Baumeister. Am Dach wohnt er trotzdem. Der Chef der Großmöbelhäuser Leiner und Kika residiert in jenem palazzoartigen Gebäude, das vor dem Stiftbunker über dem Museumsquartier schwebt. Koch zeigt auf ein Schloss in einem unauffälligen Aufzug bei Leiner auf der Mariahilfer Straße - wer den Schlüssel dazu hat, fährt in sein Wohnzimmer: Ja, nickt Koch, der Blick über Stadt und Museumsquartier sei sensationell. Aber eben Privatsache. "Das Museumsquartier ist toll", schwärmt der Einrichter der Nation, "Kultur hat nicht nur Tradition, sondern auch Gegenwart. Es müssen nicht immer Lipizzaner und Sängerknaben sein, mit denen man Furore macht - bei aller Liebe zu diesen Institutionen." Die Moderne, bestätigt Koch, habe aber auch in der Region Tradition: Die Erzählungen von einem fotorealistischen Helnwein vis-à-vis seiner Wohnzimmer-Fensterfront wären mehr als Gerüchte: "Er hat den Blick von hier über die Stadt gemalt - vor dem Bau des Museumsquartiers." Die Vorwürfe von Helene Partik-Pablé - diese hatte beim FP-Wahlkampfauftakt in Oberlaa gemeint, im Museumsquartier wären historische Hallen zerstört worden - könne er darum nicht bestätigen: "Da waren Messehallen aus den 60er-Jahren. In skandalösem Zustand." Die neue Architektur des Nachbarn will Koch dennoch nicht beurteilen. Dass ihm die ursprünglich geplante Höhe des Leopoldmuseums nicht sympathisch gewesen sei, habe aber "sicher keine privaten Gründe" gehabt: "Das wäre zwanzig Meter höher geworden als jetzt - ein zweiter Flakturm." Über den Leseturm hätte man aber "reden können". Als Anrainer wie als Unternehmer, betont Koch, freue er sich auf die Quartier-Eröffnung - wenn auch ein paar Punkte noch ungeklärt wären: "Die Frage der Busgarage muss gelöst werden." Bei Leiner jedenfalls rechnet man mit einer weiteren Attraktivierung der Region - und will ausbauen: Das Möbelhaus soll bis September 2002 um 10.000 Quadratmeter wachsen - und auch das Café, von dessen Terrasse der Blick "fast so schön" wie von Kochs Wohnung ist, soll vergrößert werden. "Auch wenn Touristen keine Möbel kaufen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.3.2001)