Schwule, die freiwilligen Sex mit Jugendlichen haben und dafür strafrechtlich verurteilt werden, dürfen nicht Autofahren. Dies besagt ein Bescheid der im Namen des Landeshauptmannes für Niederösterreich, Erwin Pröll, ÖVP, vom Amt der niederösterreichischen Landesregierung verfasst wurde. Denn schwuler Sex werde durch die Benützung eines Autos “erleichtert”    Was nach einem verspäteten Faschingsscherz klingt, findet Hannes T. gar nicht so lustig. Der 26jährige Angstellte, der für seinen Beruf dringend ein Auto benötigt, bangt um seine wirtschafliche Existenz. Ihm wurde für zwei Jahre der Führerschein entzogen. Nicht weil er zu schnell oder betrunken unterwegs gewesen wäre. Nein: T. hatte einen Menschen körperlich geliebt, der das falsche Geschlecht und das falsche Alter besitzt. Er hatte Sex mit einem 16jährigen Burschen. Freiwillig, mit dessen Zustimmung und ohne Gewalt. Was in anderen Ländern für ein Achselzucken reicht, ist in Österreich ein schweres Verbrechen. Strafrahmen bis zu fünf Jahre. §209-Sex immer noch strafbar Noch immer bestraft § 209 des Strafgesetzbuches freiwilligen Sex zwischen männlichen Erwachsenen und Burschen zwischen 14 und 18. Bereits zweimal wurde T. zu unbedingten Haftstrafen verurteilt. Nun wurde er von einem Nachbarn zum dritten Mal angezeigt (und mittlerweile freigesprochen). Nicht nur die Justiz, auch die Polizei Wiener Neustadt begann zu ermitteln. “Sie wurden für schuldig erkannt an einem Minderjährigen, der das 14. aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet hat gleichgeschlechtliche Unzucht getrieben zu haben”, schreibt die Behörde. Deshalb habe man nun ein “Führerscheinermittlungsverfahren” eingeleitet. Schliesslich könnte der schwule Sex ja auch im Auto vorgenommen werden. Die Polizei wörtlich: Aufgrund “ihrer Sinnesart muss davon ausgegangen werden, dass sie sich weiterer strafbarer Handlungen schuldig machen, die durch das Lenken von Kraftfahrzegen erleichtert werden”. Ergebnis: Fahrverbot. Gesetzlich ist eine Führerscheinabnahme nicht vorgeschrieben: Doch die Polizei hilft sich mit einem Trick und setzt freiwilligen schwulen Sex mit schwerer Vergewaltigung gleich. Aufrgrund der “Verwerflichkeit von Sexualdelikten” und weil T. seine Tathandlung “unter Verwendung eines Kraftfahrzeuges gesetzt” hatte, sei das Verbrechen der gleichgeschlechtlichen Unzucht “durch die Verwendung eines Kraftfahrzeuges erheblich erleichtert worden”.   T. berief: Doch auch das - Erwin Pröll (ÖVP) direkt unterstehende - Amt der niederösterreichischen Landesregierung hatte keine Nachsicht: Auch dort wird betont, dass die “Tathandlung unter Verwendung eines Kraftfahrzeuges typischerweise erheblich erleichtert wird”.Der Homosexuelle sei “nicht verkehrszuverlässig”.   “Es soll jeder wissen, was da los ist”, sagt der Betroffene zum Falter: “Ich bin acht Jahre unfallfrei gefahren, jetzt werde ich wegen meiner sexuellen Orientierung ruiniert.” T. will den Bescheid nun in Strassburg anfechten. Erwin Pröll könnte ihn vorher natürlich von selbst aufheben. (Falter-Vorab, 7.3.2001)