Ein 21-jähriger kanadischer Informatik-Student plant, um die Urteile gegen Napster und Co. zu umgehen, einen Klon der Tauschbörse in Europa zu starten. Als Standort ist momentan Sealand vor der Küste Englands im Gespräch. Der Staat im Staat Sealand wurde 1967, von einer Gruppe Aussteiger, die mit der, ihrer Meinung nach, schikanösen Gesetzgebung auf dem Festland nicht zufrieden waren, auf einer Insel etwa neun Kilometer vor der britischen Ostküste entfernt, gegründet. Ausgangspunkt der "Staatsgründung" war die englische Inselfestung "Roughs Tower", die im Zweiten Weltkrieg errichtet wurde und nicht der englischen Gesetzgebung, sondern dem Seerecht unterliegt. Seit 1969 werden Pässe und Briefmarken vergeben, die offizielle Sprache ist Englisch und die Währung, der "Sealand Dollar" ist mit einem Wechselkurs von einem Dollar festgelegt. Plattenindustrie plötzlich rechtlos? Die Idee des Kanadiers Matt Goyer, einen Server auf Sealand zu stationieren, könnte der Platten- und Musikindustrie noch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Da das Seerecht keine Patentklagen kennt, könnten mit einem Schlag alle bisherigen Urteile gegen Napster und Co. ad absurdum geführt werden. Als Provider soll nach den Plänen des Studenten HavenCo Ltd. fungieren, die Rechner und Internetspeicher an Personen vergeben, die staatliche Rechte umgehen wollen. Goyer rechnet mit 15.000 US-Dollar Miete für den Server. Sollte das "Napster-Klon"-Projekt scheitern, will der findige Geschäftsmann seinen Server für andere Projekte nutzen. Kein Unbekannter im Musikgeschäft Matt Goyer ist kein Unbekannter in der Napster-Diskussion. Schon vor rund einem Jahr gründete er zusammen mit Partner John Cormie Fairtunes.com . Diese Tauschbörse basierte auf Napster, doch konnten die User freiwillig Geld an die Künstler zahlen, um ihr Gewissen zu beruhigen. Immerhin gelang es so rund 7.000 Dollar an die Musiker zu überweisen.(red)