Wien - Für die Grünen hat die Regierung ihre Wahlversprechen mit der nun beschlossenen Regelung zum Kindergeld gebrochen. Es werde damit kein Karenzgeld für alle geben, meinte Madeleine Petrovic, stellvertretende Klubobfrau und Frauensprecherin der Grünen. Durch die niedrige Zuverdienstgrenze sei sichergestellt, dass eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit für Frauen mit Kindern nicht möglich sein werde. SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer kritisierte die Verschlechterung der Situation berufstätiger und arbeitslosenversicherter Frauen durch die Streichung des Arbeitslosengeldes und die Nichtausweitung des Kündigungsschutzes. Kritik kommt auch von der Industrie. Grundsätzlich sei im Bereich Familienförderung hinterfragbar, ob der gewünschte Effekt nicht zielgenauer zu erreichen sei als über ein Gießkannenprinzip, das durch Zuverdienstgrenzen kaum gemildert werde, erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Lorenz Fritz. Auch Gewerkschaft, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und das Frauenforum äußerten schwere Bedenken gegen das Kindergeld. Die Arbeiterkammer befürchtet durch die Kindergeldregelung Nachteile für berufstätige Frauen. Gravierend sei der Nachteil für Bezieherinnen von Arbeitslosengeld, die diese Leistung verlieren, wenn sie ein Kind erhalten. Die Wirtschaftskammer äußerte Skepsis zu Zeitpunkt und Finanzierung. Die Budgetkonsolidierung habe Vorrang. (völ) (DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2001)