Ja, natürlich reicht es irgendwann einmal. Man will von den ungustiösen Umtrieben in der Landwirtschaft, die einem den Appetit verderben, im Grunde nichts mehr hören und sehen. Aber die Welt der Scholle ist unbarmherzig und stößt uns leider auf immer neue Details aus dem Graubereich der heimischen Landwirtschaft. Nach all den Skandalen in der Tiermast bleibt auch der letzte bisher "unbescholtene" Agrarbereich - der Getreide-, Gemüse-und Obstbausektor - nicht weiter verschont. Schon länger floriert hier ein schwunghafter Importhandel mit - zum Teil in Österreich nicht zugelassenen - Pflanzenschutzmitteln. Österreichische Firmen umgehen die hiesige Mehrwertsteuer und beliefern die Bauern von Zweigstellen in Luxemburg aus, wo nur drei Prozent Steuern abzuliefern sind. Die Justiz prüft, ob alles legal abläuft. Inzwischen wird bereits mehr als die Hälfte der in Österreich eingesetzten Pestizide über Luxemburg ins Land und an den Behörden vorbeigeschleust. Und niemand weiß exakt, welche Pflanzenschutzgifte eingeführt und in welcher Dosis sie auf unsere Äcker versprüht werden. Spitzenbeamte klagen, dass ihnen die Hände gebunden sind, um den Import und den Einsatz dieser oft hochgefährlichen Gifte in der Landwirtschaft effektiv zu kontrollieren. Zum einen ist das Gesetz lückenhaft, zum anderen fehlen Beamte. Was lernen wir aus alldem? Die Agrarlobby hat in den letzten Jahren ganz offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Und mithilfe der Politik eine unerträgliche Situation am Lebensmittelsektor geschaffen, in der fast alles möglich ist. Bleibt wohl letztlich nur die Hoffnung auf die Vernunft der Bauern. Wie die Erfahrung aus den Affären um den illegalen Einsatz von Arzneien in der Schweinemast zeigte: Es war meist eine Hoffnung zu viel. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 3. 2001)