Wien - Der Mann lächelt oder besser: Er strahlt, er grinst, er lacht. Und er spricht. Die Worte liegen Alexander Kubelka an diesem frühen Abend zu Füßen, Einfall reiht sich an Einfall. Und stockt er dann einmal, erzählt er eine Episode aus Kindergartentagen: "Damals habe ich gemerkt, dass ich mit meinem Lächeln fast alles kriegen kann." Keine Frage: Vom harten Leben eines Jungregisseurs gibt Kubelka wenig preis. Shakespeares gewitzte Wendungen, seine Leichtigkeit und Raffinesse scheinen den Mann zu beflügeln.

Ein Glückskind? Spätestens heute, Donnerstagabend, wird man weitersehen: Der Regisseur, der nach Wiener Anfängen in Kärnten reüssierte, daraufhin vom großen Theatermann Kurt Hübner nach Düsseldorf geholt wurde, wagt sich an ein großes Haus in Wien. Mit Shakespeares Komödie der Irrungen bespielt er Emmy Werners Volkstheater. Keine einfache Stückwahl, wird des Elisabethaners frühes Werk, das auf den Menaechmi des Plautus basiert, ja oftmals in die Nähe mittelseichter Schwänke gestellt. Ein Gedanke, der Kubelka, rekapituliert er das kurze Stück, nicht im Entferntesten kommt:

"Ratterndes Hirn"

"Zwei Zwillingspaare, die sich bei einem Schiffbruch verloren haben, finden sich Jahre später in Ephesus im Laufe eines minutiös choreographierten Verwechslungsspiels wieder. Das dauert im Stück geschlagene fünf Stunden, allerdings nur, weil man nicht aufeinander zugeht, sich nicht zuhört, sich abwendet."

Verweisen die ganzen Purzelbäume an Verdrehungen und Verrenkungen, die scheinbar um ihrer selbst willen geschlagen werden, also auf nichts als ein einziges, sehr heutiges Kommunikationsproblem? "Ich bin kein konzeptioneller Regisseur", sagt Kubelka, "während der Proben fängt mein Hirn aber an zu rattern. Bei der Komödie der Irrungen habe ich gemerkt, wie ausgeklügelt das gesamte System dieses Stücks ist. Hinter der hintersinnig gestellten Frage ,Bin ich ich?' steckt in dieser schrägen Welt ein knallhartes Konzept."

Ein solches versteckte sich auch hinter dem "vielleicht wichtigsten" Projekt in der bisherigen Laufbahn des Regisseurs. Am Ulrichsberg, der ja bekanntermaßen einmal im Jahr zum Strammstehen ruft, zeigte er die Collage Kärnten treu des Autors Bernd Liepold-Mosser. Ein hinterlistiges Heimatbrunst-Werk. Das Motto: "Am Kärntner Wesen wird die Republik genesen." "Bestimmte Stücke gehören an bestimmte Orte", meint der Regisseur, "mein Bühnenbildner Gerhard Fresacher, der zusammen mit dem Musiker Oliver Welter zu meinem Kernteam gehört, baute mitten in eine Kuhwiese eine Plattform mit einer Küche drauf. Das war unser Kärnten." Über Shakespeares Ephesus will der Regisseur dagegen nicht allzu viel sagen, besondere Orte hätten ihn aber schon immer interessiert. Bevor die Karriere so richtig am Klagen- furter Stadttheater losging, adaptierte er mit Freunden eine Ruine irgendwo in Kärnten. Bespielte sie mit Georg Büchners Woyzeck und Arthur Millers Hexenjagd. "Als Kind habe ich dort immer Indianer gespielt." Dann zog es ihn in eine Klagenfurter Parkgarage. Dort besorgte er mit seinem Team die österreichische Erstaufführung von Trainspotting.

Kärnten, das ist das Land, an dem sich Kubelka scheinbar besonders gerne reibt. Und als das Aufnahmegerät schon längere Zeit ausgeschalten ist, fällt dem Regisseur dann noch etwas ein: "Schreiben Sie, dass ich aus jener Kärntner Ecke komme, in der auch Leute wie Handke, Kresnik oder Bachmann groß geworden sind." Kubelka lächelt. Volkstheater, 7., Neustift-
gasse 1, 524 72 63.
19.30 (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 3. 2001)