Innsbruck - "Wir streben mittelfristig einen wirtschaftlichen Ertrag an, aber es ist klar, dass das Land mit dieser Investition auch ein Risiko eingeht." Tirols Wirtschaftslandesrat Ferdinand Eberle (VP) betrachtet das geplante Kompetenzzentrum Medizininformatik als "Quantensprung". In den nächsten vier Jahren sollen 650 Millionen Schilling (47 Mio. ) investiert werden, 60 Prozent davon als Förderung von Bund und Land. Die Zustimmung des Bundes betrachtet Eberle als gesichert, über den Finanzierungsschlüssel werde im Detail noch verhandelt. Für das Konzept von "Health Information Technology Tirol" (H.I.T.T.) zeichnet der Vorstand des Krankenanstaltenträgers Tilak, Roland Staudinger, verantwortlich. Ziel des Projekts sei, für das Gesundheitswesen dezentrale und vernetzte IT-Systeme zu entwickeln, die es vom Hausarzt bis zu den Klinikabteilungen allen Ärzten ermöglicht, jederzeit über aktuellste Daten der Patienten zu verfügen. Unter anderem gehe es dabei darum, Laborbefunde in verschiedenen Programmen lesbar zu machen, sowie um die Zertifizierung von Behandlungsmethoden. Die erzielten Lösungen sollen im eigenen Bereich Anwendung finden und verkauft werden. Gesundheitslandesrätin Elisabeth Zanon-zur Nedden (VP) sieht eine schnellere und bessere Behandlung der Patienten im Vordergrund. Die Wahrung eines "hundertprozentigen Datenschutzes" sei ein weiteres Ziel. Als "Kernstück" des Projekts betrachtet Staudinger den Aufbau einer privaten Hochschule für Medizininformatik. Geplant sind acht Lehrstühle und im Vollausbau 300 bis 500 Studienplätze, wobei die "Grundlagenlehre von der Universität abgedeckt werden soll". Die Studiengebühren sollen bei 30.000 Schilling (2180 ) pro Semester liegen. Als Partnerunis stünden Oldenburg, Rotterdam und Heidelberg fest. Die 13 an dem Projekt beteiligten Firmen umfassen zwei Branchenführer aus den USA, Siemens und heimische Start-up-Unternehmen. Dank seiner Klinik und Universität sowie der bisherigen Arbeit in der medizinischen Informatik biete Innsbruck H.I.T.T. einen entscheidenden Standortvorteil, meint Eberle. (hs, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 3. 2001)