Pristina/Wien - Der Herd ist eingekapselt: Starke mazedonische Armee-Einheiten verhindern das weitere Vordringen der albanischen U¸CK-Rebellen aus dem Kosovo. Den auf der anderen Seite stationierten amerikanischen Kfor-Soldaten gelingt dasselbe nicht: Immer noch dringen uniformierte Rebellen ungehindert durch das Bergland von Vitina über die Grenze ins Nachbarland. Am Mittwoch wurden Kfor-Soldaten zum ersten Mal unmittelbares Ziel einer Attacke der albanischen Extremisten. Ein Sprecher der Schutztruppe berichtete, fünf bewaffnete Männer seien an der Grenze im Dorf Mijak überrascht worden. Nach einem Schusswechsel sei einer der Angeschossenen festgenommen worden, die anderen seien nach Mazedonien entkommen. Ein Sprecher der US-Truppen im Kosovo sagte später, es seien zwei Personen festgenommen worden. Mit dem Zwischenfall wurden die Konturen eines Horrorszenarios deutlich: Geraten die internationalen Truppen oder sogar die zivilen Verwalter im Kosovo ins Zielfeuer der bewaffneten Banden, wird die Provinz vollends unregierbar - die Mission müsste schließlich abgebrochen werden. So ist es zu erklären, dass Nato-Generalsekretär George Robertson nun nach jüngsten Ankündigungen offenbar erlauben will, was die Allianz lange verhindern wollte: dass jugoslawische Truppen und albanische Rebellen direkt aufeinander stoßen. Einheiten der von Belgrad kontrollierten Armee sollen im Grenzgebiet zwischen Mazedonien und dem Kosovo patrouillieren dürfen. Bei Zusammenstößen, die kaum ausbleiben würden, stünde die gesamte öffentliche Meinung des Kosovo hinter der U¸CK, und auch gemäßigte Politiker könnten sich nur um den Preis des Einflussverlusts von ihr distanzieren. "Die Serben", und besonders uniformierte, sind unter den Kosovo-Albanern aus verständlichen Gründen das Feindbild Nr. 1. Für eine Zeit könnte die internationale Gemeinschaft sich noch einmal aus der Schusslinie nehmen. Der Schritt zeigt, wie schwierig die Position des Westens schon ist: Man riskiert kriegerische Zusammenstöße und sogar einen Machtzuwachs der konservativen Armeeführung gegenüber der neuen, noch instabilen Regierung in Belgrad, um sich in der Region nicht noch stärker militärisch engagieren zu müssen. (DER STANDARD, PRintausgabe, 8.3.2001)