Prag - Mit Verbitterung hat ein Sprecher des tschechischen Zwangsarbeiterverbands auf die Entscheidung der amerikanischen Richterin Shirley Wohl Kram reagiert, Sammelklagen gegen deutsche Banken aus der Zeit des Nationalsozialismus nicht abzuweisen. Die deutsche Wirtschaft sei in besonderer Weise mitverantwortlich für das Urteil, da sie mit einem unzuverlässigen Verhalten eine Atmosphäre der Unsicherheit geschaffen habe, sagte der Regierungsbevollmächtigte Jiri Sitler am Mittwochabend der dpa in Prag. Er forderte die deutsche Wirtschaft auf, das bereits vorhandene Geld sofort in die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" einzuzahlen. "Der Deutsche Bundestag sollte nun eine getrennte Rechtssicherheit für Zwangsarbeiter-Entschädigungen feststellen, ohne die weiter offenen Vermögensfragen einzubeziehen", betonte Sitler. In Prag rechnet man bis zum Anmeldeschluss im August 2001 mit etwa 80.000 Entschädigungsanträgen. Offiziellen Angaben zufolge sterben allein in Tschechien täglich etwa 15 ehemalige Zwangsarbeiter.(APA/dpa)