Hamburg - Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Hamburger Landgericht sprach den mehrfach vorbestraften 40-Jährigen am Donnerstag des erpresserischen Menschenraubes für schuldig. Die in Argentinien abgesessene Haftstrafe von gut zwei Jahren wird nach dem Urteil angerechnet. Mit dem fünften Richterspruch in diesem Entführungsfall sind alle Beteiligten verurteilt. Drach hatte zum Prozessauftakt Mitte Dezember gestanden, den Hamburger Millionär Jan Philipp Reemtsma im März 1996 auf dem Grundstück seines Wohnhauses in Hamburg-Blankenese gekidnappt zu haben. Das Gericht begründete die hohe Strafe damit, das Drach der Haupttäter gewesen sei: "Drach war der Chefplaner", sagte Richter Dietrich Preuß. Außerdem sei die hohe Lösegeldsumme ein weiterer Grund für das Strafmaß. "Die erpresste Lösegeldsumme bricht alle Rekorde", sagte der Richter. Mit seinem Urteil entsprach das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die Drach als "selbstherrlichen Verbrecher" bezeichnet hatte, der das Opfer unter "unmenschlichen Bedingungen" festgehalten hatte. Reemtsma wurde 33 Tage lang im Kellerverlies eines Einfamilienhauses bei Bremen angekettet festgehalten. Er kam schließlich gegen Zahlung eines Lösegeldes von 211 Mill. S(15,3 Mill. Euro) frei, von dem bisher lediglich 8,44 Mill. S(613.550 Euro) sichergestellt wurden. Der Rest ist spurlos verschwunden. Drach war nach der Tat nach Südamerika geflohen und Anfang 1998 in Buenos Aires verhaftet worden. Seine Mittäter Wolfgang Koszics, Peter Richter und Piotr Laskowski wurden bereits verurteilt. Richter und Koszics wurden im Februar 1997 zu Freiheitsstrafen von fünf und zehneinhalb Jahren verurteilt. Im März 1999 stellte sich der 32-jährige Pole Piotr Laskowski. Er wurde am 2. September zu sechs Jahren Haft verurteilt. Richter, Koszics und Laskowski hatten Drach als Haupttäter bezeichnet. Drachs Bruder Lutz wurde am 20. Dezember 1996 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er rund 27.000 Dollar (29.010 Euro/399.192 S) aus dem Lösegeld hatte umtauschen wollen. (APA/AP)