Washington - Nach Ansicht von NATO-Generalsekretär George Robertson haben sich Europa und die USA in der Frage einer Raketenabwehr angenähert. Der US-Regierung sei es gelungen, die Vorbehalte der europäischen Staaten gegen einen neuen Raketenschirm abzuschwächen, sagte Robertson am Freitag in Washington. Die Europäer stünden dem Projekt vielleicht immer noch reserviert gegenüber, meinte Robertson. Es gebe aber inzwischen einen Konsens, dass in Sachen Raketenabwehr nicht mehr über das Ob, sondern vielmehr über das Wie und Wann diskutiert werde. Geholfen habe die Bereitschaft der USA, "das N in NMD zurückzuziehen" und ihren Raketenschutzschild für Verbündete und Freunde zu öffnen. Die Debatte habe eine neue Wendung genommen, als auch der russische Präsident Wladimir Putin Ende Februar eine Bedrohung durch unkontrollierbare Staaten eingeräumt habe. Nach Robertsons Worten sind die Positionen Moskaus und Washingtons nicht weit entfernt. Beide Seiten würden anerkennen, dass das Modell der nuklearen Abschreckung nur noch historische Bedeutung habe und eine reale Bedrohung durch eine Vielzahl von Staaten bestehe, die über Nuklearwaffen verfügten. Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft hatte am Freitag erklärt, die EU sei immer noch uneinig über das Projekt eines amerikanischen Raketenabwehrschirms. Außenministerin Anna Lindh sagte nach einem Treffen mit ihrem russischen Kollegen Igor Iwanow, zuerst wolle die EU einen konkreten Gegenvorschlag aus Moskau abwarten. (APA)