Wien - "Wer legal in Österreich lebt, soll auch in Österreich arbeiten können. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, wer in Österreich lebt, soll in Österreich auch arbeiten." Dies sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Freitag bei einer Veranstaltung der Wiener ÖVP zum Thema Vienna goes New Economy", laut einer Aussendung des offiziellen Pressedienstes seiner Partei. Damit signalisiert der Kanzler, nicht nur allen Ausländern, die in Österreich eine Aufenthaltsgenehmigung haben, also legal hier leben, auch eine Arbeitserlaubnis zu erteilen, sondern alle hier lebenden Menschen eine Chance auf Arbeit geben zu wollen. Wie Schüssel waren auch die Spitzen des Koalitionspartners FPÖ am Freitag allesamt wahlkämpfend in Wien unterwegs. der Standard erreichte bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nur einen kurz angebundenen Generalsekretär Peter Westenthaler, der als Stellungnahme zu den Schüssel-Aussagen abgab: "Das ist ja nichts Neues. Das steht alles so im Regierungsprogramm. Wir waren immer schon für die Integration der hier lebenden Ausländer." Bei der New-Economy-Veranstaltung in der Zentrale des Mobilfunktunternehmens Connect Austria ("One") in Wien-Floridsdorf sagte Schüssel weiters, er könne sich in diesem Zusammenhang auch befristete Arbeitsverhältnisse vorstellen, heißt es in der Aussendung weiter: "Was spricht dagegen, etwa einen auf drei Jahre befristeten Zeitvertrag abzuschließen?" Gegen IT-Kräftezuzug Gleichzeitig habe sich sich der Kanzler laut Aussendung "energisch" dagegen gewehrt, "den IT-Fachkräftemangel durch den massiven Zuzug von Fachkräften aus Osteuropa zu lösen, da Osteuropa selbst auf diesem Gebiet genügend Probleme" habe. Schüssel sagte, man solle das Problem des Fachkräfte-Mangels durch eine bessere Ausbildung in Österreich lösen. In Richtung der Hochschulen sagte Schüssel: "Wir müssen unsere Universitäten umfassend reformieren. Und da kann es nicht sein, dass man sich weigert, die Pragmatisierung von 30-jährigen Assistenten wenigstens zu hinterfragen." Bei der Veranstaltung im Rahmen des Wien-Wahlkampfes verwies Schüssel auf die Chance der Bundeshauptstadt in Sachen Telekommunikation und Informationstechnologie, der für Österreich "natürlich der entscheidende Standort" sei. So würden sich etwa fünf der größten Internet-Provider mit Hauptsitz in Wien befinden. Zwanzig Prozent der jüngsten Unternehmensgründungen in Wien seien im Bereich Informationstechnologie verzeichnet worden. Mit ganz konkreten Forderungen - vor allem in Richtung der Anstellung von Nichtösterreichern - wandte sich der Vorsitzende der One- Geschäftsführung, der Däne Jorgen Bang-Jensen, an die anwesenden Politiker: "Wir wünschen uns steuerlich begünstigte Gehälter für Experten und ausländische Mitarbeiter." Denn diese würden Bedingungen fordern, die mit den österreichischen Steuermodellen nicht vereinbar seien, so der Telekommunikationsmanager. (red, DER STANDARD, Printausgabe 10.3.2001)